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Blitz & Makro mit Canon-DSLR-Kameras

Abschied von der E-TTL-Makrofotografie?
1. EOS-40D-Foto (Andrena vaga): richtig belichtet 2. EOS-40D-Foto, wenige Sekunden später: überbelichtet
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Diese und die folgenden Seiten belegen, daß die neuen EOS-Modelle mit den Canon-Makro-Blitzgeräten nicht mehr kompatibel sind.

A) E-TTL-Blitzmessung

"TTL" ist eine englische Abkürzung, die 'through the Lens' bedeutet, also 'durch das Objektiv'. Mit der TTL-Messung begann einst der Siegeszug der Spiegelreflextechnik, für die eine weitere englische Abkürzung verwendet wird: "SLR" steht für 'single lens reflex', "TLR" für 'twine lens reflex', was man mit 'einäugige Lichtumlenkung' bzw. 'zweiäugige Lichtumlenkung' übersetzen kann. (Letztere fristet in Mittelformatkameras ein Schattendasein.) Bei der SLR-Kamera wird die Objekthelligkeit nicht mehr umständlich und oft ungenau mittels eines externen Handbelichtungsmessers oder eines neben dem Sucher ins Kameragehäuse integrierten Belichtungsmessers ermittelt, sondern durch das verwendete Objektiv, also mit der jeweils verwendeten Brennweite. Nur das Bild, das durchs Objektiv eintritt und über den Schwingspiegel in den Sucher gelenkt wird, wird mit den verschiedenen (wählbaren) Meßmethoden mit mehr oder weniger großen Anteilen gemessen; Objekte neben dem anvisierten Objekt können die korrekte Belichtung so nicht beeinflussen.

Die ersten SLR-Kameras waren schwerfällige Belichtungshalbautomaten mit Nachführtechnik wie die legendäre Monolta SRT-101 oder Belichtungsvollautomaten wie die Mionota XE-1. Sogenannte "Computer-Blitzgeräte", die auf bzw. mit solchen Modellen verwendet wurden, brachten ihre eigene Blitzmessung mit, d. h. sie maßen das vom Blitzlicht reflektierte Licht mittels ihres eigenen Sensors und drosselten das Blitzlicht entsprechend. An der Kamera konnte man durch die Blendenvorwahl nur bestimmen, wie schnell die für das Objekt maximal verträgliche Lichtmenge erreicht sein würde. Bald aber gelang es der Ingenieurskunst, das Blitzlicht ebenfalls durchs Objektiv (TTL) zu messen, genauer: das von der Filmebene reflektierte und von Fotozellen im Kameraboden eingefangene Licht. Leider konnten diese Zellen auch auf anderes Licht "empfindlich" reagieren. Die Blitz-TTL-Messung beherrschen z. B. alle Canon-SRL-Kameras seit Mitte der 1980er Jahre.

Bald folgte eine technische Neuerung: "E-TTL", was für 'evaluative through the lens' steht. Unmittelbar vor der effektiven Belichtung zündet die Kamera einen Test- bzw. Vorblitz, dessen reflektiertes Licht die Grundlage der Blitzleistungssteuerung bildet. Die Messung erfolgt im Sucher durch zwei separate Meßzellen (Dauerlicht und Blitzlicht). Der Vorblitz ist eventuell im Sucher wahrnehmbar, da der Spiegel zu diesem Zeitpunkt noch nicht hochgeklappt ist. An digitalen SLR-Kameras ist eine automatisierte Blitzlichtfotografie nur mit E-TTL-Blitzgeräten möglich, da ihre Bildsensoren andere Reflexionseigenschaften und meist auch andere Abmessungen aufweisen als Filmmaterial.
    Nikon führte den Vorblitz 1992 mit dem Modell "F90" unter der Bezeichnung "i-TTL" bzw. "D-TTL" ein. Canon führte 1996 mit der EOS 50E die "E-TTL"-Messung ein. (Damals wurde das Sortiment der Canon-Blitzgeräte von der "EZ"-Bezeichnung auf die aktuelle "EX"-Bezeichnung umgestellt.)
    Eine bei Canon erst vor kurzem eingeführte Weiterentwicklung der "E-TTL"-Messung ist die "E-TTL-II"-Messung, die zusätzlich die am Objektiv eingestellte Entfernung berücksichtigt und mit alten Modellen folglich nicht kompatibel ist. Seither gibt es noch bessere Blitzresultate, aber auch ein Problem in der Makrofotografie:

B) Makroobjektive & Makroblitzgeräte

Die führenden Hersteller von Spiegelreflexkameras, also Canon und Nikon, bauen ihre eigenen (proprietären) Blitzgeräte, die perfekt mit den Belichtungssystemen ihrer Kameras kommunizieren (sollten); die erwähnten Funktionen (Vorblitz, Entfernungseinstellung) stehen mit Fremdobjektiven, wenn überhaupt, nur mittels Adapter zur Verfügung. Da diese Firmen auch hochwertige Makro-Objektive im Sortiment haben, bieten sie auch dazu passende Makro-Blitzgeräte an, die sich schnell und einfach vorn am Objektiv befestigen lassen:

C) Canon: EOS-Modelle

Die jahrelangen Erfahrungen des Autors mit Autofocus-Kameras beschränken sich auf die Canon-Kameras und -Blitzsysteme:

D) Testreihen mit Kameras und Makroblitzen (Fotogalerien – "halls of shame")

Wer sich eine neue, von der Foto-Presse hochgelobte Kamera kauft – noch dazu vom Marktführer der Digitalfotografie – und mit ihr eine Zeit lang richtig gute Aufnahmen produziert, der will zunächst nicht wahrhaben, daß diese Kamera im Makrobereich versagt – zumal Canon mit dem "MP-E 65mm 1:2.8 1-5x Macro Photo" ein konkurrenzloses Spezialobjektiv im Programm hat. Die Realität ließ sich aber nicht ignorieren, grottenschlechte weil völlig überbelichtete Fotos lassen sich weder im Internet noch auf Vorträgen präsentieren noch verkaufen. Der Autor versuchte folglich mit Testserien, dem Problem auf die Spur zu kommen.

Um das Problem einzugrenzen, wurden weitere Tests und Überprüfungen vorgenommen:

E) Zusammenfassung & Fazit

  1. Zusammengefaßt ergeben sich folgende Fakten:

  2. Aus diesen Erfahrungen läßt sich schlußfolgern bzw. spekulieren:

  3. Konsequenzen?

    Wer sich als Makrofotograf heute für ein Kamerasystem entscheiden muß, sollte dieses vor dem Kauf gründlich testen – unter Realbedingungen und kontrollierten Studio-Bedingungen. Die Wahrscheinlichkeit, daß er sich dann für ein Canon-Kamera & Blitzmodell entscheidet, dürfte eher gering sein, denn einigermaßen zuverlässig scheinen die neuen Canon-Modelle nur im Studio zu funktionieren, wo man mit definierten Abbildungsmaßstaben und Entfernungen arbeitet, die Leuchtstärke der beiden Reflektoren (und weiterer Slave-Geräte) manuell und separat steuern kann und zudem die Ergebnisse sofort kontrollieren und wiederholen kann. Im Freiland hingegen, wo die Abstände zu beweglichen Objekten (flüchtigen Kleintieren) natürgemäß schwanken und daher von der Belichtungsautomatik berücksichtigt werden müssen, sind die neuen EOS-Modelle nur zweite Wahl.
        Ob Canon jemals eine Konsequenz zieht, ist völlig offen. In seiner zunächst letzten eMail (21.04.2009) schrieb der "Canon Helpdesk": "Wir werden den Sachverhalt bezüglich der Makrofotografie mit dem MT-24EX gerne an Canon Inc. weiterleiten, können jedoch von hier aus nicht sagen, ob und wann diesbezüglich eine Änderung vorgenommen werden kann. Wir bitten um Ihr Verständnis."
        Nachdem Canon zwei Jahre nicht reagiert hatte, schickte der Autor im April 2011 ein Schreiben an die Zentrale in Japan. Am 12.07.2011 kam dann tatsächlich eine Antwort, die das Problem bestätigt:

    Sehr geehrter Herr Martin,

    Ihr Schreiben an unseren Präsidenten, vom 15.04.2011, wurde uns zur Kenntnisnahme und Weiterleitung der Stellungnahme an Sie übergeben. Zur Beschleunigung der Bearbeitung schicken wir Ihnen die von Canon Inc. verfaßte Stellungnahme per E-Mail zu. Folgend die Stellungnahme von Canon Inc.:

    Das von Ihnen bemängelte Problem wurde von uns eingehend untersucht. Wir bestätigen das von Ihnen beanstandete Verhalten bzw. die Überbelichtung in den von Ihnen beschriebenen spezifischen Situationen oder bei bestimmten Objekten. Dies ist bei einigen Kameramodellen unter Verwendung des Macroblitzes MT-24EX festzustellen. Die Anzahl älterer Produkte, die unter entsprechenden Voraussetzungen überbelichtete Bilder produziert, ist geringer, als die Anzahl aktueller Modelle, die davon betroffen sind.

    Die überbelichteten Bilder in den benannten Situationen sind auf die unterschiedliche Anzahl und Anordnung der Belichtungssensoren und dem Belichtungsalgorithmus der Kameras zurückzuführen. Eine Abhilfe schafft lediglich die Verwendung der Belichtungsverriegelung oder der Integralmessung. Bitte versuchen Sie mit FE-Lock oder der Integralmessung ein korrektes Belichtungsergebnis zu erreichen.

    Bei Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

    Freundliche Grüße / Kind regards


    Friedrich-Wilhelm Gielen
    RCC Product Support Specialist
    Regional Competence Center Germany - Consumer Imaging Group
    Canon Deutschland GmbH
    Siemensring 90-92
    47877 Willich
    Telefon: +49 2154 495 607
    Fax: +49 2154 495 619
    E-Mail: Friedhelm.Gielen@canon.de

    WEEE-Reg.-Nr. DE 31262607
    HRB 5511 Amtsgericht Krefeld
    Geschäftsführer: Jeppe Frandsen
    Internet: www.canon.de


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