Naturschutz-Glossar Biotope
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abiotisch
'unbelebt'; abiotische Umweltfaktoren sind die Boden-, Wasser- und Luftverhältnisse eines Biotops bzw. Habitats und das Klima dort.
 
Abundanz
vom latein. abundantia = 'Überfluß': in der Ökologie die Populationsdichte, also Anzahl der Individuen einer Art in ihrem Habitat.
 
alpin
dem Hochgebirge entsprechende Höhenstufe
 
arid · Substantiv: Aridität
'trocken, heiß, dürr': Arides Klima herrscht, wenn im 30jährigen Mittel der Niederschlag geringer ist als die Verdunstung. Gegenteil: humid (H).
 
biotisch
'belebt'; biotische Umweltfaktoren gehen von Lebewesen aus.
 
Biotop
'Lebensort' (altgr. bios + topos), dessen abiotische (A) Umweltfaktoren die Überlebensfähigkeit einer Pflanzen- oder Tierart bestimmen. Ein Biotop ist also nicht einfach ein anderes, modisches Wort für 'Gartenteich', wie mancher Gartenbesitzer meint, vielmehr ist ein stehendes Gewässer nur eines von vielen Biotopen bzw. Biotoptypen auf dieser Erde. Weitere Biotope sind Fließgewässer, Trockenrasen, Steppen, Savannen, Wälder etc. Manche werden in unseren Gärten und Häusern nachgeahmt (Steingärten, Naturteiche, Kaktusbeete, Palludarien etc.).
Ohne effektiven Biotop- bzw. Habitatschutz ist Artenschutz sinnlos.
 
boreomontan
im nördlichen Nadelwaldgürtel vorkommend mit verinselten Restvorkommen in Gebirgen und in Mooren des Norddeutschen Tieflandes
 
Bulte
aus nassen Feuchtzonen (Uferzonen, Sümpfen) herauswachsende Horste, die meist aus Sauergräsern oder/und Moosen bestehen.
 
Chorologie
Arealkunde, ein Teilgebiet der Zoogeographie, das sich mit der Verbreitung und dem Vergleich der Areale (= Verbreitungsgebiete) der verschiedenen Taxa (T) befaßt und die Zusammenhänge zwischen der Evolution und der Ausbreitung der Taxa in zeitlicher und räumlicher Hinsicht untersucht.
 
collin
dem Hügelland entsprechende Höhenstufe
 
dealpin
eigentlich alpin verbreitet, jedoch außerhalb des Hochgebirges an Sonderstandorten vorkommend.
 
disjunkt
gespalten, getrennt, zerstreut; ein disjunktes Vorkommen ist unzusammenhängend, lückig, inselartig.
 
Dispersion
'Zerstreuung, Ausbreitung'; die Dispersion von Jungtieren ist ihre Ausbreitung in geeignete Lebensräume. (H: lat.)
 
eutroph
nährstoffreich
 
euryök
Euryöke Arten sind Biotopgeneralisten, sie tolerieren viele Umweltbedingungen und kommen daher in vielen Lebensräumen vor.
 
Gewässerregime
Wirkungsbereich eines Gewässers
 
Habitat
Das "Habitat" einer (Tier-)Art ist sein 'Wohnort', also die Gegend, an die diese Art angepaßt ist und die sie deshalb bewohnt. Gemeint ist also weniger ein konkretes Biotop, sonder ein Biotoptyp mit seinen Faktoren, die das Überleben und die Fortpflanzung einer bestimmten Art ermöglichen. Wenn sich die Habitatansprüche einer Art im Gebiet ihres Vorkommens ändern (insbesondere durch menschliche Eingriffe), muß sie sich aus diesem Gebiet zurückziehen.
 
Holarktis
das eurasische und nordamerikanische Faunengebiet zusammengefaßt
 
humid · Substantiv: Humidität
Lat. umidus = 'feucht, naß': Humides Klima herrscht, wenn der jährliche Niederschlag größer ist als die Verdunstung. Gegenteil: arid (A).
 
hypertroph bzw. Hypertrophie
'extrem nährstoffreich', auch: polytroph, Trophiestufe (T) 4: extreme Form der Eutrophie. Hypertrophe Gewässer weisen einen so hohen Nährstoff- bzw. Phosphorgehalt auf, daß der Sauerstoff im Sommer in den bodennahen Schichten weitgehend aufgebraucht wird.
 
Isotherme
'Gleiche Wärme'; Linie gleicher Temperatur in der Landschaft. Eine 10-Grad-Isotherme z. B. ist also eine Grenzlinie, an der im Jahresdurchschnitt 10° Celsius erreicht werden. Die Klimaerwärmung führt zur Verschiebung der Isothermen (und damit von Habitaten vieler Spezies) nach Norden.
 
Karst
Gebirge aus durchlässigem, wasserlöslichen Kalkgestein, das durch Oberflächen- und Grundwasser ausgelaugt wird.
 
Kolk
kleine offene Wasserfläche, im Sumpf: Moorauge; Bachkolke sind kleine schwach durchflossene (Still-) Wasserzonen in Ausbuchtungen des Bachbettes.
 
LSG: Landschaftsschutzgebiet (§15 BNatSchG):
Landschaftsschutzgebiete sind rechtsverbindlich festgesetzte Gebiete, in denen ein besonderer Schutz von Natur und Landschaft
  1. zur Erhaltung oder Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts oder der Nutzungsfähigkeit der Naturgüter,
  2. wegen der Vielfalt, Eigenart oder Schönheit des Landschaftsbildes oder
  3. wegen ihrer besonderen Bedeutung für die Erholung
  4. nach den Grundsätzen und Zielen der Raumordnung und Landesplanung für die Erholung erforderlich ist.

In der Praxis ist ein Landschaftsschutzgebiet also eine naturnahe Fläche, die zur Erhaltung ihrer natürlichen Vielfalt, Eigenart und Schönheit und ihres Erholungswertes gegen einige menschliche Eingriffe, etwa Bebauung, Aufforstung oder Abholzung, geschützt ist. Dies allerdings gilt nur solange, wie die Gemeinde nicht beschließt, ein Stück von diesem Schutzgebiet herauszuschneiden und im Flächennutzungsplan für eine Bebauung auszuweisen ...
 
Lehm
Durch Eisenverbindungen gelblich bis bräunlich gefärbter kalkarmer Ton
 
mesophil
Mesophile Lebewesen kommen vorzugsweise in mittelfeuchten Klimaten bzw. Biotopen vor.
 
mesotroph bzw. Mesotrophie
'mittelmäßig nährstoffreich', Trophiestufe (T) 2 zwischen oligotroph bzw. Oligotrophie und eutroph bzw. Eutrophie.
 
Misse
Moortyp mit lichtem Waldbestand im Schwarzwald
 
montan
'bergig': Die monatane Höhenstufe ist die sog. Bergwaldstufe (300–1600 m).
 
MTB bzw. Meßtischblatt
Diese Detailkarten der Landesvermessungsämter im Maßstab 1:25.000 tragen vierstellige Nummern plus jeweils eine Ziffer von 1 bis 4, die die Quadranten (Viertel) von links oben beginnend im Uhrzeigersinn durchnumeriert. Das örtlich relevante MTB ist durch den Buchhandel, beim Herausgeber (dem jeweiligen Landesvermessungsamt) und im Vermessungs- und Katasteramt der Kommune erhältlich.
Die MTB-Nummer ermöglicht eine präzise Angabe des Fundorts eines Lebewesens.

 
Nationalpark (§14 BNatSchG):
Nach §14 BNatSchG sind Nationalparke rechtsverbindlich festgesetzte einheitlich zu schützende Gebiete, die
  1. großräumig und von besonderer Eigenart sind,
  2. im überwiegenden Teil ihres Gebietes die Voraussetzungen eines Naturschutzgebietes erfüllen,
  3. sich in einem vom Menschen nicht oder wenig beeinflußten Zustand befinden und
  4. vornehmlich der Erhaltung eines möglichst artenreichen heimischen Pflanzen- und Tierbestandes dienen.

  5.  
Naturdenkmal
Naturdenkmal (§17 BNatSchG):
Naturdenkmale sind rechtsverbindlich festgesetzte Einzelschöpfungen der Natur, deren besonderer Schutz
  1. aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen oder landeskundlichen Gründen oder
  2. wegen ihrer Stenheit, Eigenart oder Schönheit
erforderlich ist. Die Festsetzung kann auch die für den Schutz des Naturdenkmals notwendige UMgebung einbeziehen.
 
Naturpark (§16 BNatSchG):
Naturparke sind einheitlich zu entwickelnde und zu pflegende Gebiete, die
  1. großräumig sind,
  2. überwiegend Landschaftsschutzgebiete oder Naturschutzgebiete sind,
  3. sich wegen ihrer landschaftlichen Voraussetzungen für die Erholung besonders eignen und
  4. nach den Grundsätzen und Zielen der Raumordnung und Landesplanung für die Erholung oder den Fremdenverkehr vorgesehen sind.

 
NSG: Naturschutzgebiet (§13 BNatSchG)
Naturschutzgebiete sind rechtsverbindlich festgesetzte Gebiete, in denen ein besonderer Schutz von Natur und Landschaft in ihrer Ganzheit oder in einzelnen Teilen
  1. zur Erhaltung von Lebensgemeinschaften oder Lebensstätten bestimmter wildwachsender Pflanzen- oder wildlebender Tierarten,
  2. aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen oder landeskundlichen Gründen oder
  3. wegen ihrer Seltenheit, besonderer Eigenart oder hervorragenden Schönheit
  4. erforderlich ist.
Abschnitt 2 bestimmt: "Alle Handlungen, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Naturschutzgebietes oder seiner Bestandteile oder zu einer nachhaltigen Störung führen können, sind nach Maßgabe näherer Bestimmungen verboten. Soweit es der Schutzzweck erlaubt, können Naturschutzgebiete der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden.
 
In einem echten Naturschutzgebiet sind menschliche Eingriffe also nur zur Erhaltung des natürlichen Zustandes erlaubt, selbst das Betreten kann untersagt werden. In der Praxis ist ein solcher Vollschutz aber leider die Ausnahme: Meist werden für geschützte Naturflächen nur einige Schutzziele bestimmt, zu deren Erreichung wiederum einige Nutzungsbeschränkungen erlassen werden. Damit soll Ansprüchen von Lobbys – etwa traditionellen Nutzern – Rechnung getragen werden. Ein Naturschutzgebiet kann so stark entwertet werden, da die nur teilweise Berücksichtigung der Ansprüche empfindlicher Tier- und Pflanzenarten diese nicht wirksam schützt – zumal diese Ansprüche oft noch nicht einmal genau erforscht sind.
 
Nearktis
das nordamerikanische Faunengebiet
 
nitrophil
'stickstoffliebend': Nitrophile Pflanzen bevorzugen nitrat- bzw. stickstoffreiche Biotope.
 
Ökosystem
System aus einer Biozönose (B), also interagierenden Individuen mehrerer Pflanzen- und Tierarten, und den abiotischen (A) Umweltfaktoren eines Biotops (B).
 
Ökoton
'Saumbiotop' bzw. 'Randbiotop', z. B. Waldrand
 
oligotroph bzw. Oligotrophie
'nährstoffarm' bzw. humusarm, Trophiestufe (T) 1: Manche Pflanzen gedeihen nur oder vorzugsweise auf oligotrophen Böden, andere nur auf eutrophen, also nährstoffreichen.
 
Orientalis
das südostasiatische Faunengebiet, das den indischen Subkontinent, Südostasien und Südchina umfaßt.
 
Palaearktis
das eurasische Faunengebiet einschließlich Afrika nördlich der Sahara
 
planar
dem Tiefland entsprechende Höhenstufe; eben, flach.
 
Primärhabitat
ursprünglicher, von Menschen ungestörter Lebensraum einer Art. (H: lat.)
 
Refugialraum (auch: Refugium, Plural: Refugien bzw. lat.: Refugia)
Refugialräume sind 'Rückzugsgebiete' von Arten, die aus ursprünglich größeren Habitaten durch Umweltveränderungen (menschliche, klimatische etc. Einflüsse) verdrängt wurden.
 
Ruderalfäche · Ruderalflora
Ruderalflächen (ungenutzte Ecken und Baulücken, offene Gruben und Mistplätze etc.) sind durch frühere menschliche Nutzung geprägte meist stickstoffreiche Böden (von lat. rudera = 'eingestürztes Gemäuer, Steinschutt'). Die Ruderalflora bezeichnet die für Ruderalflächen typischen Pflanzengesellschaften.
 
Schluff
Feinkörnige Bodenart, bestehend aus Mineralkörnchen von 0,063–0,002 mm Durchmesser
 
Sekundärbiotop
'Zweitlebensraum'; von Menschen geschaffener Lebensraum, den manche Tierarten als Ersatz für ihren natürlichen Lebensraum nutzen.
 
Segetalflora · Segetalfläche
Segetalpflanzen sind Ackerkrautgesellschaften, also jene Ackerwildkräuter, die aus dem Mittelmeerraum und südwestasiatischen Steppen stammen und seit der Jungsteinzeit in Mitteleuropa eingebürgert wurden. Die moderne intensive Landwirtschaft hat die Segetalflora stark zurückgedrängt; Segetalflächen, insbesondere Ackerrandstreifen, lassen sich nur noch durch spezielle Schutzprogramme erhalten.
 
submers
untergetaucht, unter Wasser (H: lat.)
 
Sukzession
'Nachfolge'; in der Botanik das eine Landschaft prägende allmähliche Aufeinanderfolgen von Pflanzengesellschaften bzw. Vegetationsphasen: Grasphase – Staudenphase – Strauchphase – Baumphase. In großem Ausmaß fanden solche Entwicklungsreihen nach dem Rückzug der Gletscher am Ende der Eiszeiten statt: Auf eine Pioniervegetation von Flechten und Moosen und kurzlebigen Birken und Kiefern folgten über verschiedene Zwischenstadien schließlich je nach Standort z. B. beständige Buchen-, Eichen oder Mischwälder, die neue Lebensräume entstehen ließen.
 
Syntopie
gemeinsames Vorkommen mehrerer Arten in einem Areal bzw. Biotop (H: altgr.)
 
Teich
Ein "Teich" ist ein künstliches, also von Menschen zu Wirtschaftzwecken (Fischzucht) angelegtes stehendes Gewässer, das mittels eines regulierbaren Abflusses trockengelegt werden kann. Umgangssprachlich werden auch vom Menschen angelegte Weiher ohne Abfluß als "Teiche" bezeichnet.
 
thermophil
'wärmeliebend': Thermophile Lebewesen sind auf warme Biotope angewiesen.
 
Tobel
tiefer, meist V-förmigerschluchtartiger Einschnitt in einem Steilhang; stark eingetieftes Tal eines Gebirgsbaches. Ein Tobel ist durch groben Gesteinsschutt geprägt und in der Regel (etwa am Ende der letzten Eiszeit) durch kurzzeitige heftige Erosion durch einen Wildbach oder Schmelzwasserbach (Stein-Schlamm-Lawine) entstanden. Tobel sind u. a. Amphibien-Habitate (z. B. Alpensalamanders).
 
Tümpel
Ein kleines und zeitweiliges (!) stehendes Gewässer ist ein "Weiher" – eine große Pfütze also, die einige Wochen oder gar Monate Wasser hat, aber irgendwann im Sommer wieder austrocknet, bis sie sich im nächsten Herbst/Winter wieder füllt.
 
Ubiquist
Ubiquitäres Lebewesen: anpassungsfähiges Lebewesen, das nicht an einige wenige Biotope gebunden ist.
 
ubiquitär
überall vorkommend (vom lateinischen ubique = 'überall')
 
urban
'städtisch': Urbane Lebewesen kommen im menschlichen Siedlungsbereich vor.
 
Weiher
Ein großer Tümpel, der das ganze Jahr über Wasser aufweist, ist ein "Weiher"; man könnte auch sagen: ein natürlicher Teich.
 
xerophil
'trockenheitliebend': Xerophile Lebewesen sind auf trockene Biotope angewiesen.
 
xerotherm
'trockenwarm': Xerotherme Standorte haben ein trockenwarmes Klima; xerotherme Tier- und Pflanzenarten sind 'xerophil'.
 
 


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