Reptilien / Kriechtiere   (Biologie)

Reptilien sind Kriechtiere, also in Europa Echsen, Schlangen und Schildkröten. Die ersten Kriechtiere entwickelten sich, wie ihre fossilen Reste aus dem frühesten Perm ausweisen, vor ca. 300 Millionen Jahren aus Lurchen (amphibischen Landwirbeltieren) und legten wie diese Eier. Während aber die Lurche bis heute zur Fortpflanzung auf Gewässer angewiesen sind, schafften es die Reptilien als erste Wirbeltiere, ihre Fortpflanzung in Eischalen zu verlegen und sich so vom freien Wasser zu emanzipieren. Die dafür entscheidende " Erfindung" war die Entwicklung des Amnions: Diese dünne, gefäßlose innerste Eihaut bzw. Embryonalhüle umgibt das Fruchtwasser und den sich entwickelnden Embryo höhrer Landwirbeltiere und schützt ihn vor der Austrocknung. Alle Landwirbeltiere außer den Amphibien bezeichnet man daher als Amnioten (Amniota), und die ersten waren die Reptilien, die erstmals in der Evolution auch an trockene Lebensräume anpaßt waren.

Die Eroberung der lange Zeit lebensfeindlichen Landfläche erforderte weitere Anpassungen: Hornschuppen oder -platten verhinderten den Feuchtigkeitsverlust der Tiere und ihr Austrocknen selbst in praller Sonne. Das Tanken von Sonnenwärme ließ die Tiere agiler werden, die Lungen und der Blutkreislauf konnten ihre Körper effektiver mit Sauerstoff versorgen. Wie ihre amphibischen Vorfahren blieben die Reptilien allerdings bis heute überwiegend wechselwarm, d. h. sie sind ektotherm, weil ihre Körpertemperatur durch die Umgebungstemperatur bestimmt wird, und poikilotherm, weil sie mit der Umgebungstemperatur schwankt. Anders als die Säugetiere können Reptilien ihre Körpertemperatur nicht oder kaum unabhängig von der Umgebungstemperatur beeinflussen, sondern nur durch ihr Verhalten, also Sonnenbaden oder die Meidung der Sonne.

Die Ur-Amnioten hatten noch keine seitlichen Schädelöffnungen (Schläfen- bzw. Temporalfenster) und werden deshalb auch als Anapsida bezeichnet. Diese spalteten sich in zwei weitere Typen auf, die nach der charakteristischen Anzahl und Lage der Schläfenfenster benannt werden: die Synapsida mit einer Öffnung und die Diapsida mit zwei. Es gibt bzw. gab also drei Gruppen:

Der Begriff Reptil ist nicht eindeutig: Die Tiere, die wir als "Reptilien" bezeichnen, sind keine geschlossene Abstammungsgemeinschaft mit gemeinsamer Stammform (kein Monophylum): Traditionell zählen wir ja auch die Krokodile zu den "Reptilien", obwohl diese näher mit den Vögeln verwandt sind als mit anderen Gruppen (Taxa) der "Reptilien". Die Ausgliederung der Vögel ist willkürlich und nur ihrer äußeren Erscheinung und Lebensweise geschuldet. Ein Monophylum wären die Reptilien dann, wenn wir zu ihnen auch die Vögel zählen würden; ohne die Vögel sind die "Reptilien" ein paraphyletisches Taxon bzw. ein Paraphylum.

Die Reptilien im einschränkenden, klassischen Sinne wurden also von den später auftretenden Säugetieren, Sauriern und Vögeln in der Evolution überrundet: Ein Vordringen in kalte Gebiete blieb ihnen aufgrund ihrer Ektothermie versagt, und in der gemäßigten Zone sind sie den gleichwarmen (homoiothermen bzw. homöothermen) Säugern im direkten Konkurrenzkampf meist unterlegen: Sie sind langsamer, weniger "intelligent" und Beutegreifern besonders in kaltem Zustand oder in der Aufwärmphase hoffnungslos ausgeliefert. Überlegen sind sie ihnen aber in heißen Wüsten und Steppen: Die dort lebenden Säuger müssen meist auch in extremen Trockenzeiten Nahrung aufnehmen, um zu überleben, und sie müssen sich kühlen. Ein Reptil hingegen benötigt aufgrund seines geringeren Stoffwechsels nur ca. ein Fünftel der Nahrung eines gleichgroßen Säugers und kann viel länger hungern und Winterschlaf halten; während Säuger bei Trockenheit zugrunde gehen oder das Gebiet verlassen müssen, warten Reptilien einfach auf bessere Zeiten und sind schon da, wenn Säugetiere erst wieder einwandern.

In unserer Klimazone hat es nie den Artenreichtum an Reptilien gegeben wie in den Tropen und Subtropen – Versteinerungen etwa von Krokodilen gehen auf Zeiten zurück, als Europa noch in Äquatornähe lag. Um so wichtiger ist es, die wenigen Arten bei uns zu erhalten! In Deutschland sind, wie die aktuelle Rote Liste gefährdeter Tiere Deutschlands feststellt, von den 14 Reptilienarten 11 in ihrem Bestand gefährdet.


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