Hoffmann, Susanne (2007): Die Vogelwelt in Gärten und Parks. Vögel beobachten und erkennen. 1 DVD, Gesamtlänge 77 Minuten, ohne Begleitheft. Musikverlag Edition AMPLE, Germering (© IBH-Video-Studio). ISBN: 978-3-935329-94-1; 14,95 €. Bei der Bestimmung unserer Vögel nach ihren Stimmen waren Vogelfreunde lange Zeit auf Tonträger angewiesen: Erst holten Kassetten die Lautkulisse von Wald und Park in die eigenen vier Wände, später konnte man sich mit einer CD auf den nächsten Spaziergang oder gar eine (frühmorgendliche) Vogelstimmenexkursion vorbereiten; ein Vogelbestimmungsbuch lieferte die passenden Bildportraits dazu. Seit uns aber das Fernsehen mit atemberaubenden Naturdokumentationen verwöhnt, möchten wir die Vögel nicht nur hören, sondern zugleich auch sehen. Dem trägt der AMPLE-Verlag mit einer sehens- und hörenswerten Film-DVD Rechnung, die gleichermaßen die optischen wie akustischen Merkmale unserer Vogelwelt zur Bestimmung nutzt. Der Untertitel Vögel beobachten und erkennen müßte daher um das Wort belauschen ergänzt werden. Die Film-Autorin ist eine Expertin: Seit 1992 hat die Biologin und Naturschützerin 17 (oftmals prämierte) Naturfilme veröffentlicht, sieben davon stellt sie in der Videothek ihres IBH-VideoStudios vor. Der ornithologische Schwerpunkt ihres Filmschaffens ist unverkennbar, und so wundert es nicht, daß die letzten beiden ihrer Filme der Vogelbestimmung gewidmet sind: Die Vogelwelt in Gärten und Parks und Die Vogelwelt des Waldes. Die erstgenannte DVD stellt in Bild und Ton 60 Vogelarten vor, die man mit etwas Glück im eigenen Garten oder Stadtpark beobachten und hören kann, und kommentiert die gezeigten Szenen sachkundig. Am Ende der 77 Minuten weiß der Vogelfreund viele, auch ähnliche Vogelarten aufgrund wichtiger anatomischer und Gesangsmerkmale zu unterscheiden, und manch seltene Art hat er oder sie vielleicht zum ersten Mal gesehen und gehört. Kann man ein so gutes Werk überhaupt noch besser machen? Nun, in Zeiten des Full-HD-Fernsehens kann man einen Film natürlich auch in High Definition drehen: Das würde zwar den optischen Genuß steigern, aber nicht den Zweck: Alle Vogelarten sind klar zu identifizieren, und darauf kommt es schließlich an. Es bleibt also nur ein Thema, das immer schon kontrovers diskutiert wurde: die lautmalerischen (onomatopoetischen) Beschreibungen der Vogelstimmen. Flötet die Tannenmeise wirklich "wize, wize – ziziwi, ziziwi"? Hört man tatsächlich "tü, tü", wenn der Gartenbaumläufer ruft? Und: Äußert sich ein Wendehals "klagend" (weil es ihm schlecht geht)? Vor der massenhaften Verbreitung preiswerter Tonträger waren solche Verbalisierungen sicherlich unumgänglich, und auch später war und ist ein Hinweis auf charakteristische und somit Unterscheidung-Merkmale eines Gesangs durchaus angebracht, da der Laie kaum Gelegenheit hat, diese selbst herauszufinden. Ansonsten aber hätte es dem Film nicht geschadet, wenn die Autorin auf die Tradition der Lautnachahmung verzichtet hätte, zumal diese in anderen Dialekten und Sprachen ohnehin unterschiedlich ausfällt; weniger wäre also durchaus mehr – besonders in solchen Fällen, in denen die Sprecherin länger zu Wort kommt als anschließend der besprochene Vogel. Wer zuviel menschliche Stimme bemängelt, wird allerdings zum Schluß des Films entschädigt: In einem Schnelldurchlauf (den der Rezensent sich gerne mehrmals anschaut und -hört) werden alle 60 Arten noch einmal vorgeführt. Praktischerweise lassen sich nämlich die 62 Kurzfilme auf Wunsch auch einzeln anwählen: 1. PROLOG, 2. Kohlmeise, 3. Tannenmeise, 4. Sumpfmeise, 5. Blaumeise, 6. Schwanzmeise, 7. Kleiber, 8. Gartenbaumläufer, 9. Zaunkönig, 10. Raben-/Nebelkrähe, Saatkrähe, 12. Dohle, 13. Elster, 14. Eichelhäher, 15. Seidenschwanz, 16. Haussperling, 17. Feldsperling, 18. Buchfink, 19. Bergfink, 20. Gimpel, 21. Kernbeißer, 22. Bluthänfling, 23. Stieglitz, 24. Grünfink, 25. Erlenzeisig, 26. Girlitz, 27. Bunuspecht, 28. Kleinspecht, 29. Grünspecht, 30. Grauspecht, 31. Wendehals, 32. Straßentaube, 33. Türkentaube, 34. Ringeltaube, 35. Sperber, 36. Turmfalke, 37. Waldkauz, 38. Bachstelze, 39. Heckenbraunelle, 40. Star, 41. Amsel, 42. Singdrossel, 43. Misteldrossel, 44. Wacholderdrossel, 45. Rotkehlchen, 46. Nachtigall, 47. Hausrotschwanz, 48. Gartenrotschwanz, 49. Zilpzalp, 50. Fitis, 51. Wintergoldhänchen, 52. Mönchsgrasmücke, 53. Klappergrasmücke, 54. Gartengrasmücke, 55. Gelbspötter, 56. Grauschnäpper, 57. Trauerschnäpper, 58. Pirol, 59. Rauchschwalbe, 60. Mehlschwalbe, 61. Mauersegler, 62. Schnelldurchlauf aller 60 Arten. Fazit: DVDs sind praktische Geschenkartikel: Wem sonst nichts einfällt, der wird schließlich doch vor dem DVD-Regal fündig. Aber muß denn wieder eine (Hollywood-)Klamotte auf den Gabentisch – und von dort alsbald in eine Kiste auf dem Dachboden? Der Film von Susanne Hoffmann hat das Zeug, mehrmals gesehen zu werden: während der Vogelfütterung im Winter, vor einem Spaziergang im Frühjahr, vor dem Urlaub – oder einfach nur so in besinnlichen 77 Minuten zwischendurch ... |
| Verweise: HyperLinks |