Kormorane (Phalacrocoracidae)

Kormoran   (Phalacrocorax carbo L.)

 Kormoran
 Kormoran an der Küste Mallorcas

Kurzportrait
Merkmale: Fast gänsegrößer schwarzer Wasservogel: 90 cm lang, 2,5 kg schwer; Gefieder überwiegend schwarz mit metallischem Schimmer, Wangen und Kinn weiß, Federschopf am Hinterkopf; langer Schnabel mit Haken an der Spitze; Schwimmhäute zwischen den Zehen.
Verbreitung: In 5–7 Unterarten in Europa, Afrika, Asien, Australien, Neuseeland, Grönland und an der Ostküste Nordamerikas; Häufigkeit sehr unterschiedlich.
Lebensraum: Seen, Meeresküste.
Nahrung: Fische.
Lebensweise: Ffliegt mit ausgestreckten Hals, oft dicht über der Wasseroberfläche; schwimmt mit untergetauchtem Rumpf, bei der Jagd völlig unter Wasser; trocknet nach dem Schwimmen sein Gedieder mit halb oder ganz ausgebreiteten Flügeln.
Fortpflanzung von April–Juni, Gelege 3–5 Eier, Brutdauer 23–29 Tage, Nestlingszeit 47–50 Tage. Nistweise: in großen Kolonien auf Bäumen und Felsen.


  Kormoran

Der Kormoran bildet zusammen mit Krähenscharben und Zwergscharben die Familie der Kormorane (Phalacrocoracidae), und diese gehören ebenso wie die Tölpel (Sulidae) und die Pelikane zur Ordnung der Ruderfüßler (Pelecaniformes). Mit Raben und Krühen sind sie nicht verwandt.
    Anders als z. B. Enten, die von der Wasseroberfläche aus gründeln und mit ihrem lufthaltigen Gefieder nur mit Mühe tauchen, sind Kormorane schnelle und wenige Taucher, die ihre Beute, nämlich Fische, geradezu verbissen verfolgen und mit ihrem Hakenschnabel greifen. Während die Flügel leicht angewinkelt werden und der Schwanz als Steuer dient, erzeugen die dicht zusammengehaltenen Füße den schnellen Vortrieb. Ihre langen und mühelosen Tauchgänge verdanken sie einem Gefieder, das im Wasser vollständig durchnäßt und daher keinen Auftrieb bewirkt; die Kehrseite dieses Vorteils besteht darin, daß sie ihr Gefieder anschließend mehr oder weniger lang trocknen müssen und zu diesem Zweck in charakteristischer Weise ihre Flügel abspreizen (siehe Foto). Ein erwachsener Kormoran friß täglich ca. 400–500 Gramm Fisch.

Kormorane sind Herdentiere und Koloniebrüter, die gemeinsam jagen und auch im Winterhalbjahr gern gemeinsam in Schlafbäumen schlafen. Das bevorzugte Nistsubrat sind hohe Bäume bzw. Baumgruppen, auf Inseln können sie aber auch auf dem Boden nisten. Sie scheinen zudem eine Vorliebe für Graureiherkolonien zu haben.
    Kormorane brüten nur einmal im Jahr, allerdings kann der Verlust eines Geleges durch ein Nachgelege kompensiert werden. Meist werden in einem Abstand von 2–3 Tagen 3–4, maximal 5 Eier gelegt. Die Brutdauer beträgt 23–24, maximal 29 Tage, die Nestlingszeit der Jungvögel etwa sieben Wochen. Noch bevor diese mit zwei Monaten flugfähig sind, können sie mit ihren gut entwickelten Füßen auf dem Horstbaum herumklettern. Mit drei Monaten sind sie selbständig, aber erst nach drei Jahren geschlechtsreif. Die Lebenserwartung ist offenbar maximal 20 Jahre.

Kormoran-Kolonie
Kormoran-Kolonie und Lachmöwen auf einem Binnengewässer

Der Kormaran ist seit langem heftigen Anfeindungen und Verfolgungen ausgesetzt, was ihn noch in den 1980er Jahren auch in Deutschland an den Rand des Aussterbens brachte. Der zentrale Vorwurf lautet, er fresse den Fischern die Fische weg und müsse deshalb "reduziert" werden; ein weiterer Anklagepunkt verweist auf die Nistbäume, die durch ihren scharfen Kot der Fischfresser nach wenigen Jahren absterben; ein besonders dümmliches Argument schließlich besagt, das Gleichgewicht der Fischfauna (sogar bei Lachs und Meerforelle) sei durch einen Vogel gefährdet, der schon viele Jahrmillionen vor der Entstehung des Menschen Fische jagte. Landesbehörden quer durch die Republik haben leider häufig ein offenes Ohr für die Lobby-Arbeit der Jäger, Fischer und Angler und genehmigen aus wahlkampfpolitischem Kalkül immer wieder umfangreiche Massaker an den Tieren. So wurden im Juni 2005 in Mecklenburg-Vorpommern im Naturschutzgebiet (!) "Anklamer Stadtbruch" mehr als 6950 Kormorane (Brutvögel und Küken) erschossen (Quelle: Komitee gegen den Vogelmord). Die Landesregierung Nordrhein-Westfalens gab auf Druck der Fischerei-Lobby den Kormoran ab dem 16. September 2006 per Erlaß nahezu flächendeckend zum Abschuß frei. Die so betriebene Vernichtung einer ehemals in Deutschland ausgestorbenen Vogelart führt zudem zu massiven Störungen aller übrigen Wasservögel; für geschützte Tierarten gilt jedoch nach dem Bundesnaturschutzgesetz bzw. dem Bundesjagdgesetz ein Störungsverbot.
    Man könnte diesen Haß auf einen vermeintlichen Nahrungskonkurrenten vielleicht verstehen, wenn der Kormoran als Fischfresser unsere Nahrungsgrundlage zerstören, unsere Wirtschaft ruinieren oder wie Ratten als Überträger einer gefährlichen Krankheit unser aller Gesundheit und Leben gefährden würde. Tatsächlich sind jedoch nur wenige Menschen betroffen, und dies auch nur finanziell oder in ihrem Freizeitvergnügen; den Behörden reicht aber genau das schon für die Genehmigung eines Ausrottungsfeldzuges. Würden rückgratlose Minister an ihre eigene Propaganda glauben, müßten sie auch wieder die Verfolgung von Fischotter, Fisch- und Seeadler, Eisvogel, Haubentaucher und Gänsesäger gestatten ...

Literatur


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