Rallen (Rallidae)

Unsere Rallen erinnern in Größe und Form an Hühner und werden daher mit ihren volkstümlichen Namen ("Sumpfhuhn", "Teichhuhn", "Bläßhuhn") oft als "Hühner" bezeichnet, obwohl sie mit diesen nicht näher verwandt sind. Sie scheinen aber eine gewisse Verwandtschaft mit den Kranichen aufzuweisen, weshalb Bezzel1 diese Famile in die "Ordnung Gruiformes: Rallen und Kranichvögel" stellt. Sie sind zwar deutlich kleiner als Kraniche, bevorzugen aber wie jene Feuchtgebiete und Sümpfe, an die sie durch große Zehen und einen schmalen Rumpf und kurzen Schwanz angepaßt sind. Typisch ist ferner, daß die Küken Nestflüchter und die erwachsenen Vögel während einer Vollmauser vorübergehend flügunfähig sind.

Teichhuhn bzw. Teichralle (Gallinula chloropus)

Teichralle

Kurzportrait
Merkmale: nur Zwerghuhngröße, schlank; Oberseite dunkel olivbraun, Unterseite Kopf und Hals grau-schwarz, seitlich jeweuils ein weißes unterbrochenes Band, auf Unterschwanzdecken ein weißes Dreieck mit dunkler Mitte; rotes Stirnschild, gelbe Schnabelspitze, lange grünliche Beine und Zehen. Jungvögel einfarbig braun.
Verbreitung: Kosmopolit außer in Wüsten und Halbwüsten, im hohen Norden und Gebirge; zahlreich. Krzstreckenzieher, der vor Kälte flieht.
Lebensraum: Uferzonen stehender und langsam fließender, auch kleinster Tieflandgewässer, auf Dorf- und Parkteichen verbreitet; sucht Nahrung auf Wiesen und Feldern und in Gärten, brütet in der Deckung meist niedriger Sumpfpflanzen und dichten Ufergebüschs.
Nahrung: Samen aller Art, Früchte von Wasser- und Sumpfpflanzen, junge Gras- und Schlfblätter, Insekten, Krebstiere, Schnecken, Würmer, Kaulquappe, Aas.
Verhalten: überwiegend tagaktiv, Balz und Zug aber nachts; taucht selten, fliegt häufig auf dem Wasser laufend auf; in der Brutzeit territorial: die Männchen bilden im Frühjahr Reviere.
Fortpflanzung: geschlechtsreif schon im 1. Lebensjahr, Zugvögel in der Brutsaison monogam, Standvögel auch länger. Tiefes Napfnest (Ø 15–25 cm) aus Pflanzenmaterial in der Ufervegetation; 5–11 (2–12) Eier, größere Gelege stammen von 2 oder mehr Weibchen; Legeintervall 1 tag, Brutdauer 19–22 (17–24) Tage. Beide Partner brüten; Junge werden bis zu 1 Monat gefüttert, anfangs im Nest; flugfähig mit ca. 35 Tagen.

Bemerkenswert ist der ausgeprägte Nestbau des Teichhuhn-Männchens: Es baut zunächst nur "Schein-" bzw. "Spielnester", dann das Brutnest, an dem sich auch das Weibchen beteiligt und das Männchen während des Brütens weiterbaut, und schließlich meist noch "Ruhe-" oder "Schlafnester" für den Nachwuchs.

Gefährdung und Schutz

Die Rallen sind zwar, abgesehen von den Polarregionen, weltweit verbreitet und somit sehr erfolgreich, dennoch haben sie weltweit besonders unter dem Menschen zu leiden: Als flugfähige Wasservögel konnten sie im Zuge ihrer Ausbreitung (adaptiven Radiation) einst auch viele Inselhabitate "erobern", wo sie oft nicht mehr dem Jagddruck von Landraubtieren unterworfen waren und daher ihr Flugvermögen im Laufe der Evolution einbüßten. Dieser "Mangel" war zunächst durchaus von Vorteil, da für immer kleiner werdende Flügel weniger Nahrung und somit Energie eingesetzt werden mußte. Kaum war aber der Mensch eschienen, wurde ihnen ihre Flugunfähigkeit zum Verhängnis: Ratten, Füchse, Schweine, verwilderte Hauskatzen und der Mensch selbst haben mindestens 11 der rezenten Arten bereits ausgerottet.

Literatur:
  • Bezzel, Einhard (1985): Kompendium der Vögel Mitteleuriopas · Nonpasseriformes, Nichtsingvögel. AULA-Verlag, Wiesbaden.
  • Ripley, S. D. (): Rails of the World. Boston.
  • Wolters, H. E. (1983): Die Vögel Europas im System der Vögel. BIOTROPIC Verlag, Baden-Baden.
Verweise:

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