Die verschiedenen Wildbienenarten sind auf Niststandorte ähnlich spezialisiert wie auf ihre Nahrungspflanzen, so daß sie nur dort vorkommen können, wo sie für sie geeignete Nistmöglichkeiten vorfinden. Mögliche Kriterien für die Eignung eines Nistplatzes sind:
Von den ca. 380 nestbauenden Wildbienenarten der alten Bundesrepublik Deutschland nisteten nach
Westrich 1990 allein 278 (also 73%) im Erdboden. Derselbe Autor stellt nach der deutschen Vereinigung (1990) 419 Arten fest, von denen 285 im Erdboden (also 68%) nisten. In dieser Zahl sind übrigens auch solche Hohlraumbewohner enthalten, die ihr Nest nicht selbst graben, also etwa Hummeln, die in alten Kleinsäugernestern nisten. Die anderen Arten nisten über dem Boden, vor allem in pflanzlichem Material.
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Wald- und Waldrandboden, Feld- und Wiesenränder, Böschungen, trockene Feldwiesen, Streuobstwiesen, Magerrasen, Brachen, Sand-, Kies- und Lehmgruben, naturnahe Gärten und Parks bieten vielen Wildbienen Nistplätze. Arten, die im Erdboden nisten, bevorzugen meist vegetationsarme und nicht zu feuchte Flächen, wie wir sie an sonnigen Böschungen und solchen Wegen finden, die noch nicht dem menschlichen Ordnungswahn gehorchend "befestigt" und ihres Randstreifens beraubt wurden. Der Boden ist häufig locker oder krümelig und besteht aus Sand oder sandigem Lehm, aber auch fester, toniger Boden wird von manchen Arten angenommen. Die Nistgänge entstehen entweder in vorhandenen Erdspalten, oder die Bienen graben sie selbst. Erdhummeln suchen sich verlassene Bauten von Kleinsäugern, Solitärbienen graben sich Nistgänge mit ihren Mandibeln und Beinen. Ein Vertreter ist die Sandbiene Andrena nitida, die ein weites Nistschema hat, sich also nicht auf bestimmte Bodentypen beschränkt.
Einige seltenere Bienen – vor allem die Mauerbienen Osmia anthocopoides, O. lepeletieri, O. loti und O. ravouxi, die Mörtelbiene Megachile parietina und die Harzbiene Anthidium strigatum – verlassen sich nicht auf vorhandene Nistgänge oder weiches Material, in denen sie ihre eigenen Nistgänge nagen oder graben können, sondern mörteln mit Harz oder mineralischem oder pflanzlichem Mörtel oberirdische Freinester an der rauhen Oberfläche von Felsen, Findlingen etc. und sogar Gehölz, andere Arten suchen den Schutz von Felsspalten.
Altes, verwitterndes Totholz findet man in der unberührten Natur fast überall: Bäume und Sträucher sterben und vermodern mit Hilfe einer riesigen Schar von Kleinstlebewesen und geben so dem Boden Nährstoffe für neues Leben zurück. In der Regel nagen Käferlarven (etwa von Bockkäfern, Cerambycidae) oder Schmetterlingsraupen (z. B. von Holzbohrern, Cossidae) die ersten Gänge in das tote Holz, und Solitärbienen nutzen später die alten Fraßgänge für ihre Brut. Neben morschen Baumstümpfen und Ästen stellen auch mürbe oder morsche Balken von Schuppen, Scheunen und Ställen geeignete Nistplätze für viele Bienenarten dar, die teils ihre Nistgänge selbst ausnagen, teils vorhandene (Käferfraß-) Gänge nutzen.
Eine Gattung, die ihre Vorliebe im deutschen und lateinischen Namen trägt, ist die der Holzbienen (Xylocopa), die in mürbem Altholz ihre Nistgänge selbst nagen; weitere Beispiele sind die flexible Blattschneiderbiene Megachile willughbiella (auch "Totholz-Blattschneiderbiene" genannt), die in morschem Holz oder unter der Rinde von Totholz, aber auch in Fugen von Fachwerkhäusern und Trockenmauern nistet, und ihre Gattungsgenossin Megachile lapponica sowie die Wald-Pelzbiene, Anthophora furcata. In vorhandenen Gängen nisten Mauerbienen (Gattungen Chlostoma, Heriades & Osmia). In größeren Hohlräumen, z. B. ehemaligen Vogelnestern, gründen Baum- und Wiesenhummeln (Bombus hypnorum & B. pratorum) ihre Völker.
Pflanzenstengel, deren Mark schrumpft oder leicht entfernt werden kann, sind die Wiegen etlicher Wildbienenarten, werden aber leider von "ordnungsliebenden" Gartenbesitzern regelmäßig vernichtet und mit ihnen die Larven in ihren Nistgängen.
Westrich (1990) nennt folgende Arten:
Die recht kleine, unscheinbare Maskenbiene (Hylaeus brevicornis) ist von Anfang Juni bis Anfang September auch in naturnahen Gärten und Parks zu finden ist. Sie legt in dürren Zweigen von Brombeeren und Himbeeren und auch in Käferfraßgängen in altem Holz 27 Brutzellen an.
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Dem Erfindungsreichtum der Natur sind bekanntlich keine Grenzen gesetzt. So nisten einige Arten (Anthidium literatum, Hylaeus alpinus, H. communis, Osmia gallarum) in alten Eichengallen, also ca. 2 cm dicken Kugeln, die im Vorjahr von der Gallwespe (Andruicus kolari) in den Knospen junger Trauben- oder Stieleichen (Quercus petraea, W. robur) erzeugt und später verlassen wurden. Andere Solitärbienen (Hylaeus pectoralis, H. gracilicornis, Osmia leucomelana) sind auf Schilfgallen die Produkte der Schilfgallenfliege (Lipara lucens) angewiesen oder nutzen sie gelegentlich.
Die Ablage von Eiern und Pollenvorräten in einem Schneckenhaus stellt eine weitere Spezialisierung dar, die in Mitteleuropa nur bei Mauerbienen (Osmia spec.) vorkommt: O. andrenoides, O. aurulenta, O. bicolor, O. rufohirta, O. spinulosa, O. versicolor.
Die Bindung an bestimmte Nistschemata ist zwar die Regel, doch haben sich keineswegs alle Bienenarten auf bestimmte Nistplatztypen spezialisiert: Wie bei der Nahrungssuche gibt es auch hier etliche Generalisten, deren weites Nistplatzschema ihnen die Besiedlung vielerlei Hohlraumtypen ermöglicht oder die flexibel auf andere Nistgelegenheiten ausweichen können, wenn der "Wunschtyp" nicht auffindbar ist. Arten, die es hinsichtlich Material, Form und Größe der oberirdischen Nisträume nicht so genau nehmen und sich häufig an verschiedenen Nisthilfen beobachten lassen, sind laut
Westrich (1990):
| Fotos: Ebene Flächen | Wildbienen-Nester |