Naturfotografie: Foto-Ausrüstung

1. Kamera-Gehäuse · 2. Objektive · 3. Objektiv-Zubehör · 4. Lichtquellen · 5. Fernbedienung · 6. Filmmaterial · 7. Stative · 8. Transport: Fototaschen


Zusammen mit Wissen und Erfahrung braucht der Naturfotograf eine geeignete Kameraausrüstung. Maßgeblich für den Erfolg ist aber nicht eine große und im schwerwiegendsten Sinne des Wortes kaum tragbare Anzahl an Objektiven, Filtern, Kabeln, Stativen etc., die zudem im entscheidenden (meist kurzen) Moment eher behindern als nützen: Erfahrene Naturfotografen nehmen nicht soviel wie möglich mit, sondern so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig, und das entspricht dem, was sie zu fotografieren hoffen:

1. Gehäuse

In der Naturfotografie kommt praktisch nur ein Format in Frage, das längst auch in anderen Bereichen der Fotografie dominiert: das sog. 35-mm-Format für Negative und Dias der Größe 24 x 36 mm. Das alte "Gehäuse" für den lichtempfindlichen Film ist mittlerweile zum Computergehäuse avanciert, und der Naturfotograf kann davon durchaus profitieren, wenn er sich nicht von der Technik blenden läßt. Folgende Funktionen sind üblich und auch wünschenswert:

Kameramarken, die solche professionellen Ansprüche bedienen und zugleich eine große Objektivpalette vorweisen können, sind Canon und Nikon sowie Minolta, Pentax und Contax.

2. Objektive

Ein Allround-Objektivset für Naturfotografen besteht aus nur drei, maximal vier Qualitätsobjektiven:

  1. Ein Tele-Objektiv langer Brennweite ist unentbehrlich für die Distanzfotografie scheuer Vögel, Säuger und Reptilien. Halbwegs erfolgversprechend ist sie schon ab der 300-mm-Brennweite, wie sie in vielen längeren Tele-Zooms integriert ist, vor allem im 75–300-mm-Typ. Solche Objektive vereinen mehrere Vorteile: Sie sind noch preiswert in der Anschaffung, passen in fast jede größere Fototasche, sind leicht genug für den Transport und mit etwa 5,6 als größter Blende noch ausreichend lichtstark, um mit z. B. 1/500 Sekunde verwacklungsfrei fotografieren zu können. Einige wenige Modelle verfügen sogar über einen Bildstabilisator, der dem ungeübten Fotografen auch unter etwas schwierigeren Lichtverhältnissen noch scharfe Aufnahmen ermöglicht. Für ein Preisniveau von kaum über 500 € bieten sie außerdem eine Bildqualität, mit der der Amateur durchaus zufrieden sein kann.
        Für den professionellen Vogel- und Säugetierfotografen hingegen ist ein Tele-Objektiv mit einer Brennweite zwischen 400 und 600 mm ist das "Standardobjektiv". Besonders die 400-mm-Brennweite ist traditionell sehr beliebt: Zwar entspricht sie nur einem 8fach-Fernglas und damit nicht gerade dem Wunschtraum eines Vogelfotografen, aber sie bietet bei gerade noch akzeptablem Gewicht und handhabbarer Länge die Lichtstärke 5,6 und läßt sich somit aus der Hand einsetzen; längere Brennweiten verlangen unweigerlich ein Stativ. Die Technik versucht jedoch, diese Grenze ein wenig hinauszuschieben:
        Wenn es auf optimale Lichtstärke ankommt, kann der betuchte Naturfotograf heute eine Festbrennweite mit Blende 4 wählen, sonst ist ein etwas lichtschwächeres Zoomobjektiv erste Wahl: ein Allround-Telezoom 80–400 mm oder 100–400 mm der Lichtstärke 5,6, das einer Festbrennweite hinsichtlich der Qualität heutzutage nicht nachsteht und auch für den Laien gerade noch erschwinglich ist. Mit einem sogenannten Konverter mit Vergrößerungsfaktor 1,4 oder 2,0 lassen sich beide Objektivtypen sogar noch verlängern: Aus einem 400 m-Objektiv wird dann ein hochwertiges 560- oder 600-mm-Objektiv. Enorm hilfreich dabei sind die seit einigen Jahren erhältlichen Objektive mit "Bildstabilisator" (IS = 'image stabilisator') von Canon und neuerdings auch Nikon: Sie ermöglichen verwacklungsfreie Aufnahmen mit 1–2 Blendenstufen weniger oder umgekehrt anderthalbfacher bis doppelter Brennweite und machen dadurch die Tierfotografie wieder ein Stückchen schneller oder informativer.
  2. Ein Makroobjektiv ist das "Standardobjektiv" des Spezialisten für Spinnen-, Insekten- und Pflanzenfotografie: Damit die Fluchtdistanz nicht unterschritten wird, sollte es ein 100-mm-Objetiv, für besonders flüchtige Arten ein 180-mm-Objektiv sein. Besonders nützlich sind Objektive, die ohne Zwischenring (1:1-Konverter) einen Maßstab von 1:1 erreichen: Bis man einen solchen Ring montiert hat, kann einem Insekt die Fotolaune schon wieder vergangen sein!
        Die übliche Lichtstärke eines 100-mm-Makros von 2,8 dient nur der (manuellen oder automatischen) Scharfstellung – brauchbare Aufnahmen entstehen erst ca. ab Blende 11.
        Wichtig ist, daß sich ein Ringblitz anschließen läßt: Gerade im Makrobereich ist eine gute Ausleuchtung sehr wichtig, und die wenigsten Insekten warten, bis die Kamera auf dem Bodenstativ in Stellung gebracht, das Objektiv fokussiert und das Foto mit vielleicht 1/15 sek gemacht ist ...
  3. Ein Standardzoom mit Brennweiten von 28 bis 105 oder 135 mm kommt für den Tierfotografen zwar erst an zweiter Stelle, ist aber für die Dokumentation des Fundorts (also des Biotops bzw. Habitats) einer Tier- oder Pflanzenart unentbehrlich. Außerdem sind auch Tierfotografen für die Reize schöner Landschaften empfänglich ...
        Gut geeignet sind hochwertige Zoomobjektive mit den Brennweiten 28–105 oder 28–135 mm: Die kürzeste Brennweite von 28 mm reicht in den meisten Fällen aus — 24 mm sind selten wirklich nötig —, und mit mehr als 135 mm wird ein Zoomobjektiv zu lang und klobig. Wie lang die längste Brennweite sein sollte, hängt aber auch von der Brennweite des Teleobjektivs bzw. -zooms ab: Wer nur über eine Festbrennweite von 400 mm oder ein 200–500-mm-Zoom verfügt, wird eher an einem langen Zooms mittlerer Brennweiten interessiert sein; wer hingegen mit einem modernen 100–400-mm-Zoom oder gar 80–400-mm-Zoom auf "Vogeljagd" geht, der kommt mit einem kurzen 28–105-mm-Standardzoom aus, da sich die beiden Brennweitenbereiche schon überlappen.
        Die Lichtstärke sollte für die Weitwinkel-Einstellung mindestens 3,5 betragen, für die Tele-Einstellung nimmt sie naturgemäß ab.
  4. Ein sog. Standard- bzw. Normalobjetiv ist hinsichtlich nur seiner Festbrennweite von 50 mm im Prinzip überflüssig, so daß es beim Erwerb einer Kamera kaum noch mitgekauft wird. Es findet seine Bestimmung aber immer noch dort, wo es auf hohe Lichtstärke ankommt: Während ein Standardzoom kaum über eine Blende 3,5 hinauskommen, erreicht die 50-mm-Brennweite standardmäßig Blende 1,7 und 1,4 und sogar 1,0! Die Differenz zwischen Blende 1,4 und Blende 3,5 beträgt immerhin 2,5 Blenden, und das kann etwa in den frühen Morgenstunden oder in einem Wald das Fotografieren erst möglich machen. Ein Standarobjektiv ist außerdem klein und leicht, so daß es z. B. in der Parkatasche leicht Platz findet. Nur der Preis steigt exponential zur Lichtstärke: Für ein 50mm/1,4 muß man mindestens doppelt so viel zahlen wie für 50mm/1,7, und Blende 1,0 ist kaum mehr erschwinglich!

Während die heute produzierten Computer-berechneten Linsen fast durchweg gut sind, gibt es beim Autofokus durchaus Unterschiede: Je nach verwendetem Motor lassen sich die Objektive unterschiedlich schnell automatisch scharfstellen. Wer es sich leisten kann, sollte jeweils die schnellere Variante kaufen.

3. Objektiv-Zubehör

Objektive lassen sich auch in der Naturfotografie sinnvoll mit Zubehör ergänzen:

4. Lichtquellen

Auch wenn die schönsten Naturaufnahmen bei natürlichem Licht entstehen, lassen sich Hilfsmittel nicht immer vermeiden, zumal sie einen natürlichen Eindruck keineswegs ausschließen müssen:

5. Fernbedienung & automatische Auslösung

Die praktische Fernbedienung per Funk ist dem Spezialisten vorbehalten der zudem viel Zeit und Geld in sein Hobby (bzw. seinen Beruf) investieren kann. Sie ist dann angezeigt, wenn sich die Distanz zu einem Tier nicht einem Teleobjektiv zu überbrücken, das Tier aber an einem bestimmten Ort zu erwarten ist. Solche Ort sind in der Regel die Nester, Bauten, Höhlen etc. von Vögeln und Säugetieren und ihre Futterstellen, denkbar sind aber auch solche Orte, wo Nistmaterial gesammelt wird, wo regelmäßig Komfortverhalten stattfindet (etwa Sonnenbaden), oder die die Tiere auf dem Weg zu einem der genannten Orte notwendigerweise passieren müssen ("Wildwechsel").
    Der technische und organisatorische Aufwand solcher Aufnahmen ist nicht zu unterschätzen:

Mindestens genauso komplex gestaltet sich die Montage einer Lichtschranke ...

6. Filme

Die Auswahl des richtigen Filmmaterials ist nicht schwer: Schwarz-Weiß-Film kommt praktisch nicht mehr in Frage, und Farbnegativ-Film ist für die Projektion ungeeignet und in der Drucktechnik zweite Wahl. Der ernsthafte Naturfotograf greift also zum Diafilm, wohlwissend, daß es hier besonders auf präzise Belichtung ankommt. Da alle Fabrikate heute sehr gute Ergebnisse liefern, kann man auch einem Verlag mittlerweile neben Kodak jedes andere Dia-Fabrikat anbieten. Es bleibt die Wahl der Lichtempfindlichkeit:

7. Stative

Ohne eine Fixierung von Kamera und Objektiv sind viele Tele- und Makroaufnahmen undenkbar, ein Stativ ist also unentbehrlich. Gerade in der Naturfotografie sollte es allerdings nicht irgendeins sein, und möglicherweise sind sogar zwei oder drei verschiedene optimal:

Geeignete Stative, Stativköpfe etc., die im wörtlichen Sinne halten, was sie versprechen, sind u. a. in den Sortimenten bekannter Foto-Marken wie Benbo, Cullmann, Gitzo, Manfrotto und Novoflex zu finden.

8. Transport

Was nützt die beste Ausrüstung, wenn sie regelmäßig im Schrank zurückgelassen wird, weil es dem Fotografen einfach zu lästig ist, das Gewicht mitzuschleppen? Es geht hier um die Anschaffung einer praktischen Transportausrüstung, die den Naturfotografen nicht nach wenigen Kilometern Fußmarsch schon veranlaßt, sein teures Hobby zu verwünschen. Was braucht man also, was hat sich bewährt?

Professionelle Fototaschen, Köcher und Zubehör findet man z. B. bei Lowepro, Tamrac und auch Cullmann.


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