Naturfotografie: Licht und Farbe

1. Natürliches Licht

Das Sehen, vor allem das räumliche und das Farbsehen, war und ist der primäre Sinn in der Evolution des Menschen. Seit Millionen von Jahren nehmen wir die Natur in einem bestimmten Spektrum des natürlichen Lichts wahr, deshalb ist dieses in der Naturfotografie grundsätzlich erste Wahl: In ihren natürlichen Habitaten wirken Pflanzen und Tiere – wie könnte es anders sein – natürlicher als vor nachgebauter Kulisse und in Kunstlicht. Außerdem ist es prinzipiell kaum mit dem Anliegen des seriösen Naturfotografen vereinbar, eine Pflanze nur wegen eines Fotos aus seiner Umgebung herauszureißen (im wörtlichen Sinne des Wortes). Naturlicht ist aber "natürlich" nicht gleich Naturlicht – vier Arten bzw. Richtungen lassen sich zunächst unterscheiden:

  1. Sonne frontal: Gelegenheitsfotografen bevorzugen die Sonne im Rücken. Vorteil: Das Objekt (Landschaft, Tier, Pflanze) ist gleichmäßig ausgeleuchtet, störende tiefe Schatten, die eventuelle wichtige Motivteile bis zur Unkenntlichkeit verdunkeln, werden vermieden. Der Nachteil aber ist, daß das zweidimensionale Bild keine Tiefenwirkung erzeugt: In einer Landschaft werden Vorder- und Hintergrund ungenügend voneinander getrennt, und die Struktur etwa eines Blattes, eines Säugetierfells, eines Gefieders oder behaarten Chitinpanzers kommen nicht optimal zur Geltung – die Bilder wirken mehr oder weniger "flach".
  2. Sonne von der Seite: Fotografiert man ein Motiv im rechten Winkel zu Sonne, wirkt dieses automatisch plastischer: Die Abstände zwischen den Motivteilen werden betont, des Motiv gewinnt "Raum". Allerdings ist hier der Blick fürs Detail gefragt: Steht die Sonne exakt im 90°-Winkel, könnten die der Sonne abgewandten Partien zu stark abgedunkelt werden, während die ihr zugewandte Seite eventuell im gleißende Licht erstrahlt. Das kann im Sinne der Bildaussage sein, muß es aber nicht. Steht die Sonne in einem kleinen Winkel zur Blickrichtung (80°, 70°, 60°, 45° etc.), wird das Gesamtmotiv gleichmäßiger ausgeleuchtet, behält aber im ganzen wie im Detail die gewünschte Tiefe. Nicht auszuschließen ist allerdings, daß ein Teil des Motivs oder irgendein Gegenstand außerhalb des Motivs den seitlichen Sonnenstrahlen im Wege ist – ein Blatt oder Ast, ein gedrehter Kopf, eine Geweihsprosse etc. – und ausgerechnet ein wichtiges Bildelement beschattet.
  3. Gegenlicht: Steht die Sonne der Kamera gegenüber, also hinter dem Objekt, umfängt sie dieses mit einem stimmungsvollen Lichtsaum, verdunkelt seine der Kamera zugewandten Flächen und schluckt so einen großen Teil der Bildaussage. Das Motiv bleibt zwar grundsätzlich zu erkennen, wird aber seiner Individualität beraubt: Hier geht es nicht mehr um die Dokumentation eines bestimmten belebten oder unbelebten Teils der Natur, sondern um eine künstlerische Aussage, eine Impression.
  4. Streulicht: Das quasi von allen Seiten kommende Licht ist, wenn man so will, der "objektivste" aller Lichttypen: Streulichtbilder haben ebenso wenig Tiefe wie frontale, es fehlen jedoch die starken Reflexionen, das flächige Leuchten des Motivs, das feinste Details überstrahlt. Die Kontraste beschränken sich auf einen Bereich, den der Film problemlos bewältigen kann, hellere wie dunklere Bildpartien haben optimale Zeichnung, und vor allem: Farben, besonders zarte Pastellfarben, werden in hellem Streulicht nicht verschoben, sondern optimal wiedergegeben.
        Für den nötigen Kontrastumfang und besonders die Farbwiedergabe ist Streulicht nicht gleich Streulicht: Eine dunkle Gewitterstimmung, die Morgen- oder die Abenddämmerung läßt weder Kontraste noch Farben zur Geltung kommen; ein heller Wolkenschleier jedoch, der feinste Schatten gerade erst erahnen läßt, ist für Menschenportraits ebenso otimal wie für Tier- und Pflanzenportraits ...

Neben seiner Richtung hat natürliches Licht hat noch einen weiteren Aspekt: die Helligkeit. Leider kann sich der Naturfotograf diese nicht immer aussuchen: Schatten-liebende Pflanzen wachsen nun einmal dort, wo es dunkel ist, und dämmerungsaktive Tiere lassen sich ihm zuliebe nicht am hellichten Tage blicken bzw. fotografieren. Und selbst am hellen Tage verlassen ihn die technischen Schwierigkeiten nicht:

2. Kunstlicht: Blitzlicht

Während große, teure Strahler und Leuchtstofflampen allenfalls in Studiosituationen zum Einsatz kommen, stellt das moderne elektronische Blitzgerät eine kompakte und leichte, von Steckdosen unabhängige und preiswerte Lichtquelle dar, die vor allem in der Makrofotografie und zur Dokumentation kleiner beweglicher Tiere unentbehrlich ist.
    Für Kunstlicht gilt zunächst dasselbe wie für Naturlicht: Es läßt sich aus vier Richtungen einsetzen, und das seitliche und das diffuse Licht bringen meist die besten Ergebnisse. Ein Problem kann aber die Helligkeit des Blitzlichtes bzw. die Stärke eines Blitzgerätes darstellen.

3. Lichtfarbe

Das Licht muß ein Naturfotograf meist so nehmen, wie es gerade ist. Dennoch sollte er ein wenig über die Lichtfarbe bzw. "Farbtemperatur" wissen: Diese leitet sich von der jeweiligen Verbrennungstemperatur eines physikalisch definierten sogenannten schwarzen Körpers bei bestimmten Farben ab und wird meist in Kelvingraden gemessen. Das leicht bläuliche Tageslicht entsteht z. B. bei etwa 5.600° K. Das warme, gelbliche Licht einer Glühlampe entspricht hingegen wesentlich niedrigeren 3.200° K.
    Normale Dia- und Negativfilme sind auf Tageslicht, also auf etwa 5.600° K abgestimmt, und geben folglich Motive unter Glühlampenlicht völlig gelbstichig wieder. Für künstlich beleuchtete Motive gibt es aber spezielle Kunstlichtfilme.

Während das Licht einer Glühlampe farblich annähernd konstant ist, ändert sich natürliches Tageslicht vom frühen Morgen bis zum späten Abend. Das ist natürlich im Prinzip bekannt, da jeder einmal bewußt einen feurigroten Sonnenuntergang erlebt hat. Die feineren Farbabstufungen nimmt das Auge jedoch viel weniger wahr als der unbestechliche Farbfilm. Schnee unter blauem Himmel z. B. erscheint auf Farbfotos geradezu abstoßend kalt, obwohl das Auge ihn während des Fotografierens nur als leicht bläuliche dunkle Fläche wahrnahm. Es kann also im Einzelfall durchaus angebracht sein, allzu große Farbverschiebungen in den blauen und teilweise sogar den roten Bereich mit einem Filter zu korrigieren.

Das Ziel einer Farbkorrektur sollte in der Naturfotografie allerdings nie sein, ein Motiv farblich "neutral" wiederzugeben, also so, wie es bei durchschnittlichem Tageslicht von 5.600° K wäre. Es sollte vielmehr allenfalls darum gehen, extreme Farbstiche so weit zu reduzieren, daß die Farbe in etwa dem natürlichen Eindruck im Moment der Aufnahme (!) entspricht. Alles andere wäre Fälschung.

Schwarz-weiß-Filter: gelb, kräftig gelb, orange, grün   Schwarz-weiß-Filter: gelb, kräftig gelb, orange, grün
Schwarz-weiß-Filter: Minolta gelb Y 48, Minolta gelb Y 52, Minolta orange O 56, Minolta grün G 0   Farbfilter für Dia- und Negativfilm: Minolta-Skylight-Filter 1 A, B+W-Rot-Filter KR 3 1.2x, B+W-Blau-Filter KB 1.5 1.1x, Minolta-Blau-Filter 80B


Naturschutz-Leitseite Leitseite Hintergrundwissen nach oben | top Landschaftsfotografie