Futterpflanzen  · Niststrukturen 

Schutzmaßnahmen für Insekten

Raupen des Tagpfauenauges
Raupen des Tagpfauenauges (Aglais io) an einer Brennessel (Urtica dioica) · Solingen, 25.08.2007

Auch wenn den Menschen etliche Insektenarten aus verschiedenen Ordnungen – Käfer, Läuse, "Motten" & Zünsler, "Wespen" etc. – als Lästlinge und Schädlinge gelten, haben Biologen & Ökologen, Naturfreunde, Privatpersonen und auch Politiker längst verstanden, daß die Tierklasse der Insekten ein integraler, lebensnotwendiger Bestandteil unseres Ökosystems ist. Die Vorstellungen darüber, wie wir sie schützen, das sogenannte Insektensterben aufhalten sollten, sind allerdings oftmals naiv und hilflos. Nicht wenige Aktivitäten bzw. Maßnahmen sind wenig oder gar nicht wirksam, einige gar kontraproduktiv:

  • Die beliebteste Maßnahme folgt der Praxis des privaten Vogelschutzes: Seit mindestens einem Jahrhundert hängen Vogelfreunde Vogel-Nistkästen an Hauswände, Bäume, Pfähle etc. und Futterknödel an Äste und Zäune, um unsere "Gefiederten Freunde" zu unterstützen. Das hält die häufigsten Arten (allen voran zwei Höhlenbrüter: Blau- & Kohlmeise) in unseren Gärten; Artenvielfalt aber ließ und läßt sich so nicht erhalten, die einst große Anzahl der Arten wie auch ihrer Populationen bzw. Individuen nimmt immer weiter ab, die allermeisten Vogelarten finden im heutigen Siedlungsraum des Menschen wie auf seinen Agrarflächen weder Niststrukturen noch Nahrung.
        Das gilt analog für den vermeintlichen Insektenschutz: Seit Jahrzehnten bereits zieren – meist kleine, manchmal große, repräsentative – "Insektenhotels" unsere Gärten und Parkanlagen; dem Artenschutz sind sie allerdings noch weniger dienlich als Vogelnistkästen: Ihre Zielgruppe sind – analog zu den Höhlennistern unter Vögeln – ohnehin nur die wenigen Hohlraum-Besiedler (meist von Bohrlöchern in Totholz) unter den Solitärbienen & -wespen; selbst diese aber finden nur in wenigen Nisthilfen geeignete Niststrukturen, da fast alle käuflichen "Insektenhotels" mehr oder weniger unbrauchbar sind: Ihre typischen Merkmale sind übergroße Bambusröhren, Fichtenzapfen, Heu & Holzspäne, "Schmetterlingskammern" mit Schlitz und mangelhafter Regenschutz. Eigentlich ist bereits der Begriff Insektenhotel Indiz dafür, daß die Hersteller und Anbieter von der Biologie der Insekten nichts verstehen: Es geht schließlich nicht um Übernachtung mit oder ohne Frühstück, sondern um Fortpflanzung & Arterhalt.
        Unnötig oder nutzlos sind auch speziell für Florfliegen, Ohrwürmer oder Schmetterlinge angebotene Übernachtungs- oder Überwinterungsquartiere: An geeigneter Stelle plaziert, kann ein künstlicher (aus Holzbeton gefertigter) Hohlraum durchaus z. B. von "Ohrenkneifern" entdeckt und besiedelt werden. In einem naturnahen Garten sind diese jedoch auf Übernachtungshilfen nicht wirklich angwiesen, dort gibt es genug Verstecke.
        Mängelfrei und brauchbar sind die allerwenigsten käuflichen Nisthilfen (vor allem sachkundig produzierte Nistziegel) und nicht zuletzt die Produkte all jener versierter Heimwerker, die sich entomologische Expertise angeeignet und Freude an der Beobachtung des Brutgeschehens haben.
        Wirklich nützlich, ja notwendig sind nur jene Nisthilfen, die einen erkannten lokalen Mangel an natürlichen Niststrukturen ausgleichen sollen und können, von Experten konzipiert wurden und zuverlässig gewartet werden.
  • Nicht nur unnütz, sondern geradezu kontraproduktiv bzw. schädlich ist die zunehmende, auch private Haltung und Zucht von Honigbienen, die vor Jahren ernsthaft als probates Mittel gegen das "Bienensterben" und die "Bestäuberkrise" propagiert wurde. Firmen versuch(t)en, mit gemieteten Honigbienen-Völkern auf ihrem Gelände ihr Corporate Image zu heben; auf Initiative der Grünen-Politikerin Bärbel Höhn wurden 2016 auf dem Jakob-Kaiser-Haus (dem größten Parlamentsgebäude Deutschlands) Honigbienen angesiedelt; manch gutgläubiger Zeitgenosse ließ sich von dem Hype mitreißen und schaffte sich eine "BeeBox" mit einem Volk "Balkonbienen" an.
        Man stelle sich vor, als wirksame Maßnahme gegen das Verschwinden unserer Singvögel würde ernsthaft die Zucht von Kanarienvögeln empfohlen und gegen das Aussterben unserer Birk-, Hasel- & Rebhühner sowie Wachteln die Hühnerzucht und Eierproduktion. Im Falle der Honigbienenhaltung kommt hinzu, daß Imker ihre Nutztiere in der Regel auf Flächen (sogar in Naturschutzgebieten) sammeln lassen, die ihnen nicht gehören, und sich dort Ressourcen (Pollen & Nektar) aneignen, auf das wilde Insekten (Bienen, Wespen, Schwebfliegen, Käfer etc.) angewiesen sind.
  • Wenig effektiv, wenn nicht "Augenwischerei", ist schließlich der Insektenschutz, der nicht praktiziert, sondern nur dargestellt wird: Man denke an die Hunderten von (nicht immer fachlich korrekten & empfehlenswerten) Faltblättern und Broschüren, die Naturschutz-Ortsverbände und diverse Initiativen, Ministerien und Behörden zur Rolle und Schutzwürdigkeit der Insektenwelt immer wieder neu geschrieben und veröffentlicht haben: Hätte nicht eine gute, umfassende Publikation pro Verband gereicht? Man erinnere sich an Freizeitangebote für Kinder auf Sommerfesten, Umwelttagen etc. ("Wie bauen unser eigenes Bienenhotel"), an Vorträge zum Thema in Volkshochschulen oder an Unterrichtsreihen in Schulen: Was werden (sollen) Kinder denken, wenn sie erst lernen, was richtig, wichtig und notwendig ist, in den Folgejahren aber erfahren, was in ihrer Welt tatsächlich geschieht? Was sollen Bürger von politischen & juristischen Entscheidungsträgern halten, die zwar den Arten-, Natur- & Umweltschutz als Staatsziel formulieren & beschwören, in "Güterabwägungen" aber regelmäßig wirtschaftlichen Interessen Vorrang einräumen?
        Solange Schlagwörter wie "Bürokratieabbau", "Globalisierung", "Konkurrenzfähigkeit", "Profitabilität", "Wohlstand" etc. Gedanken und Diskussionen monopolisieren und Natur-vernichtenden Projekten gar "überragendes öffentlines Interesse" zuerkannt wird, ist entschlossener staatlicher Artenschutz nicht wirklich zu erwarten. Wirklicher (d. h. wirksamer) Arten- und Naturschutz wäre erst erreichbar, wenn ihm absolute Priorität eingeräumt würde.

Effektiver Artenschutz

Politische Entscheidungsträger können mit einem Federstrich viel Unheil anrichten und jahrelange private Bemühungen um Artenschutz zunichte machen und Naturschutzakteure frustrieren; sie könnten im Prinzip aber auch – guten Willen und Entschlossenheit vorausgesetzt – in kurzer Zeit umweltpolitische Ziele erreichen, die privaten Initiativen jahrelang große Kraftanstrengungen mit unsicheren Erfolgsaussichten abverlangen. Ob nun mit oder ohne politische Entscheidungen (Gesetze, Verordnungen, Projekte etc.) und Unterstützung: Umweltgruppen, Garteneigentümer etc. können ebenso wie Naturschutzbehörden durchaus etwas bewirken, wenn sie sich biologische Expertise aneignen und verstehen, welche Requisiten eine reichhaltige Insektenfauna erhalten und fördern – allen voran die (artspezifischen) Nahrungsquellen und Niststrukturen

Nahrungsquellen – Futterpflanzen:

  • Naturschutzverbände und engagierte Buchautoren empfahlen Privatgärtnern schon vor Jahrzehnten, ein "Eckchen" ihres Gartens dem Artenschutz zu "spenden", und viele brachten dieses "Opfer" guten Gewissens, solange sie nicht befürchten mußten, mit zu viel "wilder Natur" das Auge des Nachbarn oder der Öffentlichkeit zu beleidigen: Bei allem Umweltengagement wollte man sich auch nicht Faulheit, Schlampigkeit, mangelnden Ordnungssinn nachsagen lassen. Kirchengemeinden legten hier und da auf ihren Grünanlagen und Friedhöfen "in Verantwortung gegenüber der Schöpfung" kleine "Wildwiesen" an, und manche Kommune, die sich nicht Blindheit vor den Belangen des Naturschutzes nachsagen lassen wollte, begann vor Jahren damit, Baumscheiben, Verkehrsinseln und Fahrbahnteiler "naturnah" zu begrünen: Statt langweiliger Meere von Narzissen, Tulpen etc. gediehen dort nun Hornklee, Kamille, Kratzdistel, Malven, Mohn, Natterkopf und Ziest – und leider auch Exoten aus Afrika und Nordamerika.
  • Das waren und sind kleine, zaghafte Schritte in die (meist) richtige Richtung, in Privatgärten aber längst nicht mutig genug und im öffentlichen (auch konfessionellen) Raum vor allem an der ästhetischen Wirkung orientiert und eher als dargestellten denn als praktizierten Naturschutz zu verstehen. Im Verkehrsraum können Wildblumen sogar ein Problem für den Artenschutz werden: Wenn eine Hummelkönigin, angezogen von einem blütenreichen Mittelstreifen, eine breite, viel und schnell befahrene Fahrbahn überqueren will und dabei von einem Fahrzeug erfaßt wird, geht mit ihr ein ganzes künftiges Volk verloren. In ruhigen, engen Nebenstraßen hingegen sind bepflanzte Baumscheiben (wie unten abgebildet) ein Gewinn fürs Auge wie für die Insektenfauna.
  • Ausgebracht werden die Blütenpflanzen in der Regel als Wildblumen-Mischungen in Tüten oder größeren Gebinden, außerdem als Gehölz-Setzlinge. Die Saatgut-Mischungen werden nach unterschiedlichen Kriterien zusammengestellt:
    • Vegetationsperioden: Manche Mischungen enthalten nur einjährige (annuelle) Pflanzen, andere auch zweijährige (biannuelle) oder mehrjährige, also solche, die von der Keimung bis zur Samenbildung zwei oder mehr Vegetationsperioden benötigen. Ergänzt werden sollten sie durch weitere, vorzugsweise ausdauernde Arten mit dem Ziel einer Wiese, die sich ohne häufige Neuaussaat langfristig selbst erhält.
    • Herkünfte: Einige Mischungen enthalten Samen nur von heimischen (folglich empfehlenswerten) Wildkräutern, andere von Wild- und Kulturarten. "Heimisch" ist allerdings nicht gleich "heimisch": Die Populationen bzw. Unterarten ein und derselben Pflanzenart unterscheiden sich regional in ihrem Genom, weil sie sich über Jahrhunderte an die regionalen, sogar lokalen Klimabedingungen und Bodenverhältnisse angepaßt und in die dortigen Ökosysteme integriert haben. Regionales Saatgut ist deshalb robuster und schützt vor Florenverfälschung, welche die Anpassung zunichte machen würde.
    • Standorte: Viele Pflanzen wachsen bevorzugt oder ausschließlich auf nährstoffarmen und eher trockenen Ruderalflächen oder Felsböden, in Sand- und Kalkmagerrasen, andere können sich auch in nährstoffreichen Böden gegen Konkurrenz behaupten. Möglich ist auch eine Zusammenstellung nach Lichtverhältnissen: sonnig, halbschattig, schattig.
    • Eigeninteresse: Gemeint ist nicht ein idealistisches "Eigeninteresse" von Artenschützern, die für sich selbst und ihre Kinder die Artenvielfalt erhalten wollen, sondern das wirtschaftliche Interesse der Imker an hohen Honig-Erträgen: Blumen-Mischungen, die auf Ackerrandstreifen oder öffentlichen "Blühflächen" von Imkern selbst oder auf deren Empfehlung hin ausgesät werden, sind stets für die Versorgung nur einer Insektenart optimiert: der domestizierten Form einer bei uns nicht heimischen Unterart der Westlichen Honigbiene. Sonnenblumen, Sonnenhüte etc. im Blühaspekt einer solchen Fläche lassen auch den botanischen Laien sofort erkennen, daß die Mischung nicht nur Wildblumen enthält, und wenn eine Info-Tafel stolz zusätzlich zum (vermeintlichen) Zweck der "Blühfläche" auch noch den Hersteller bzw. Namen der Saatmischung benennt, läßt sich deren ökologischer Wert leicht ermitteln. Es ist kein Zufall, daß Büschelschön (Phacelia spec.) auch unter den Trivialnamen Bienenweide und Bienenfreund bekannt ist: Gemeint ist stets das Haustier des Imkers, der ihren hohen "Trachtwert" schätzt.
  • Saatgut-Mischungen funktionieren nach dem "Gießkannenprinzip": Mit möglichst vielen Pflanzen sollen möglichst viele Insektenarten gefördert werden. Kundige Insektenfreunde und Artschützer kennen allerdings die Beziehungen zwischen Insekten und ihren Futterpflanzen und möchten gerade die (oftmals gefährdeten) Insektenarten unterstützen, die auf eine Pflanzengattung oder -familie als Nahrungsquelle angewiesen sind, sich ohne diese also nicht fortpflanzen können. Beispiele für solche oligolektischen Arten sind die Natterkopf-Mauerbiene (Osmia adunca) oder die auf Glockenblumen spezialisierten Bienenarten (etwa Andrena curvungula und A. pandellei, Chelostoma campanularum und Ch. rapunculi etc.). Umgekehrt sichert die Zaunrübe (Bryonia spec.) mehreren Insektenarten das Überleben: neben der Zaunrüben-Sandbiene (Andrena flora) auch dem Zaunrüben-Marienkäfer (Henosepilachna argus) und der winzigen Zaunrüben-Bohrfliege (Goniglossum wiedemanni). Die Ansiedlung nach ökologischen Krierien ausgewählter Pflanzenarten ist also für die Insektenfauna ebenso nützlich wie für den Naturfreund lehrreich und befriedigend.
  • Natürlich schätzt ein Naturfreund auch solche Pflanzen nicht gering, die sich uneingeladen von selbst ansiedeln, etwa Brennesseln (Urtica spec.): Aufgrund ihrer Brennhärchen haben sie unter Gartenfreunden oft einen schlechten Ruf, einen guten Ruf allerdings als eßbares Wildkraut und Heilpflanze, und Ökologen dienen sie als "Zeigerpflanze", die Stickstoffbelastungen und "Störungen" des Bodens anzeigen. Überlebensnotwendig sind sie aber für unsere Insekten: Die Raupen von über 30 der mitteleuropäischen Schmetterlingsarten entwickeln sich auf und von Brennessel-Blättern, darunter bekannte Spezies wie das Tagpfauenauge (Aglais io ), der Kleine Fuchs (Aglais urticae), der Admiral (Vanessa atalanta) und das Landkärtchen (Araschnia levana). Ebenso spezialisiert ist die Brennesselwanze (Heterogaster urticae), deren Nymphen an Brennessel-Samen saugen – im Falle der zweihäusigen (= diözischen) Großen Brennessel (Urtica dioica) also nur an weiblichen Exemplaren.
Bepflanzte Baumscheibe
Blütenmeer auf bepflanzten Baumscheiben · Solingen, 20.06.2026
Bepflanzte Baumscheibe

Sand + Beet
Blick auf einen Privatgarten: Sandfläche, neues Wildpflanzenbeet ↑ und Wiese ↓ · SG, 17. & 18.05.2025
Wiese 2

Wiese 2
Teile derselben Wiese zu Sommerbeginn · Solingen, 21.06.2025 ↑ & 09.07.2026 ↓
Wiese 2
  • Oft besteht der beste Naturschutz nicht darin, etwas zu tun, sondern etwas zu unterlassen. Dazu gehört das Ausbringen von Herbiziden & Pestiziden ebenso wie die routinemäßige und massenhafte Vernichtung vorhandener Blühflächen: Mit Verweis auf die "Verkehrssicherheit" werden Straßenränder ebenso wie Randstreifen und Säume entlang von Wegen und Bächen viel zu oft und zu breit abgemäht. Wertvolle Lebensräume vor allem unserer Insektenfauna gehen so ausgerechnet in der Vegetations- bzw. Generationsperiode Jahr für Jahr erneut verloren. Allgemeine Grundlage ist das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB), § 823 Schadensersatzpflicht.
        Um eine Schädigung von Verkehrsteilnehmern und dadurch fälligen Schadensersatz zu vermeiden, sollen die Straßenmeistereien das sog. Lichtraumprofil (einen imaginären Tunnel) sowie Sichtachsen & -dreiecke von Gehölzen und anderem Straßenbegleitgrün freihalten, u. a. die Sichtbarkeit von Leitpfosten & Straßenschildern gewährleisten. Das Lichtraumprofil beträgt in der Vertikalen 4,50 Meter über Straßen, 2,50 Meter über Radwegen und 2,20 Meter über Gehwegen; neben Straßen und im Anschluß an Rad- und/oder Gehwege beträgt es 0,50 Meter. In der häufigen Praxis aber werden Randstreifen mehrere Meter breit und auf Rasenhöhe abgemäht – dies sogar entlang von Feldwegen und Bachläufen, was den Verdacht begründet, daß neben der Verkehrssicherheit weitere Motive eine Rollen spielen. Das Mähen nur schmaler Streifen und nur bis auf zwölf Zentimeter Wuchshöhe hinunter würde vielen Insekten das Überleben ermöglichen und Artenverluste vermeiden.

Niststrukturen:

  • Manche Nistplätze der Insekten sind uns nur allzu gut bekannt, etwa die Gespinste und Raupen der Kleidermotte in Wollteppichen oder teurer Wollkleidung oder von Lebensmittelmotten in einer Getreidepackung oder des Apfelwicklers (Cydia pomonella) im Obst. Bekannt und berüchtigt sind auch die Nester und Wanderungen des Eichen-Prozessionsspinners (Thaumetopoea processionea), und wer sich vor Jahren eine Feige in den Garten gepflanzt hat und an ihrem Gedeihen auch im hiesigem Klima erfreut, entdeckt eines Tages, daß sich an ihren Blättern auch der aus dem Süden nachgezogene "Feigen-Spreizflügelfalter" (Choreutis nemorata) fortpflanzt. Ein wenig lästig, aber natürlich nicht schädlich, können auch Mauerbienen werden, wenn sie im Frühjahr jede Öffnung am und im Haus und in diversen Gerätschaften als möglichen und unmöglichen Nistplatz entdecken und dann vielleicht "überredet" werden müssen, doch besser in eine für sie bereitgestellte Nisthilfe auszuweichen.
  • Solche aufgebohrten Hartholzblöcke oder mit Bambus-, Schilf- oder Pappröhrchen befüllten Häuschen sind – oft unter der irreführenden Bezeichnung "Insektenhotel" – seit langem der "Klassiker" unter den Nisthilfen, helfen allerdings oft nur wenig oder gar nicht, da sie meist falsch konstruiert sind. Brauchbar sind meist nur Hartholzblöcke mit verschieden weiten Lochdurchmessern sowie spezielle Nistziegel. Auch die besten dieser Nisthilfen weisen allerdings zwei Nachteile auf: Sie werden nur ganz selten auch von jenen seltenen und gefährdeten Arten besiedelt, die ohne menschliche Unterstützung in der Natur vielleicht keine (oder nur mit Mühe) geeignete Fortpflanzungsstätten finden würden, und vor allem: Sie bieten Nistmöglichkeiten ohnehin nur jenen wenigen Arten, die in natürlichen Hohlräumen (Käfer-Bohrlöchern, Spalten etc.) nisten. Die allermeisten Arten aber nisten im Boden, andere in lebenden oder abgestorbenen Pflanzen oder an Gestein oder Rinde.
  • Irgendwann sind sich auch einige Hobby-Entomologen dieses Problems bewußt geworden ... und haben sich für die jahrelang vernachlässigten "Sandbienen" einen Nistsandkasten ausgedacht und auch gleich eine vermeintlich passende Bezeichnung: das "Sandarium" (eine Wortschöpfung analog zu Terrarium). Seither entstehen vielerorts "Sandarien" und im Internet dazu bebilderte Bauanleitungen. Die allermeisten sind ebenso mangelhaft wie die "Insektenhotels": Sie sind viel zu klein, sie bestehen oft nur oder fast ausschließlich aus Sand (für die allermeisten Arten zu instabil), und sie werden gutgläubig auch dort angelegt, wo es in der Umgebung kein Sandgebiet und folglich auch nicht die wenigen "Sand-Spezialisten" gibt. Mehr als die winzigen Fliegenspießwespen (Gattung Oxybelus) sind dort in der Regel nicht zu erwarten.
  • Wer auf eigenem Grund und Boden Niststrukturen für Bodennister (sogenannte endogäische Arten) schaffen möchte, sollte eine vorhandene möglichst große und vorzugsweise leicht geneigte nährstoffarme (ungedüngte) Fläche weitestgehend von Pflanzenwuchs befreien und, wenn nötig, durch Zugabe von Sand abmagern und auflockern. Zusätzlich attraktiv würde die Fläche durch eine Geländestufe ("Mini-Steinwand"), Schatten-spendende Steine und mürbes Totholz.
Nistfläche
Nistfläche auf dem Naturgut Ophoven · Leverkusen, 10.05.2026

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