Hasentiere · Leporidae Fischer von Waldheim, 1817

Hasen (Leporidae) zählen, anders als viele Menschen glauben, nicht zu den Nagtieren (Rodentia) – sie bilden eine eigene taxonomische Familie mit weltweit ca. 55 Arten. In Mitteleuropa kommen nur drei Arten vor: zwei Arten der Echten Hasen (Gattung Lepus) und das Wildkaninchen, aus dem die verschiedenen Rassen des Hauskaninchens – u. a. die Zwergkaninchen – gezüchtet wurden:

Feldhase
Feldhase in der Dämmerung · 21.04.2014

Tierportrait: Feldhase (Lepus europaeus)

Systematik: Klasse: Säugetiere (Mammalia) > Unterklasse: "Höhere" Säugetiere (Eutheria) > Ordnung: Hasenartige (Lagomorpha) > Familie: Hasen (Leporidae) > Gattung: Echte Hasen (Lepus) > Feldhase, Lepus europaeus Pallas, 1778.
Merkmale: KRL 42–68 cm, Schwanz ca. 6–13,5 cm, Ohren 8,5–13 cm, Gewicht 2,5–6,4 kg. Fellfarbe variabel: Rücken gelblichgrau, ockerbraun oder braunrot mit schwarzen Flecken, Kopf, Hals, Brust und Beine hellbraun, Ohren hellgrau mit schwarzen Fleck an der Spitze, Bauch cremeweiß, Schwanz oberseits schwarz, unterseits weiß; Fell im Winter insgesamt heller.
Verbreitung: Nordspanien über Mitteleuropa bis Finnland und von Italien über Griechenland und die Türkei bis zur West-Mongolai. Eingebürgert in Großbritannien und Nordirland, Südschweden, Korsika und Kreta, außerdem in Übersee in den USA, im Süden Südamerikas, in Süd- und Ost-Australien einschlie▀lich Tasmaniens und in Neuseeland.
Lebensraum: warme offene & halboffene Landschaften: Steppen, Dünen, strukturreiche Agrarlandschaften, lichte Wälder.
Nahrung: Kräuter und Gräser, auch Knollen, Wurzeln und Getreide und im Winter Rinde; außerdem "Blinddarmkot" (Caecotrophie).
Lebensweise: dämmerungs- und nachtaktiv, im späten Winter und Frühjahr auch tagaktiv; tagsüber meist in Mulden ("Sassen").
Fortpflanzung: Fortpflanzungszeit in Mitteleuropa Januar–Oktober, 3–4 Würfe, Tragezeit 42 Tage, Wurf: 1–5 (selten 6) behaarte und sehende Junge, die zweimal am Tag gesäugt weden; Lebenserwartung: bis 12,5 Jahre, die aber nur sehr selten erreicht werden.
Freßfeinde: Greifvögel (z. B. Habicht, Accipiter gentilis), Eulen (z.B. Uhu, Bubo bubo), Rabenvögel, Fuchs und Wolf und Marderarten – und der Mensch: Trotz starker Bestandsrückgänge wird der Feldhase weiter bejagt.

Der Feldhase (Lepus europaeus) wird von vielen Menschen mit dem Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus) verwechselt, er ist aber deutlich größer als das "Karnickel" und besitzt längere Hinterbeine und auffallend längere Ohren, die als Unterscheidung schon von weitem zu erkennen sind. Auch seine Lebensweise ist anders: Während Kaninchen sozial und geschützt in tiefen verzweigten Bauen leben, sind Hasen Einzelgänger, die – trotz ihrer Bevorzugung eher warmer Habitate – auch bei miserablem Wetter tagsüber bewegungslos in Mulden (in der Jägersprache "Sassen" genannt) ruhen, aus denen sie erst im letzten Moment flüchten.
    Die Flucht ist überhaupt die hauptsächliche Verteidigungsstrategie des Feldhasen, wie auch einige Begriffe der deutschen Sprache belegen: Angsthase, Hasenfuß, Hasenherz, Hasenpanier. Auf der Kurzstrecke erreicht der Feldhase Geschwindigkeiten bis zu 70 km/h, er springt bis zu 2 m hoch und kann seinen Verfolgern auch schwimmend entkommen. In der Paarungszeit gibt diese Art ein ganz anderes Bild ab: Männliche Hasen kämpfen um ein Weibchen, indem sie mit den Vorderpfoten aufeinander trommeln ("boxen"). Während sie ein empfängnisbereites Weibchen jagen, beweisen sie eine erstaunliche Ausdauer, und genau diese dient den Weibchen als Kriterium für die Eignung eines Männchens: Nur die (physisch wie auch genetisch) "fittesten" Konkurrenten sollen sich fortpflanzen und so den Fortbestand der Art sichern.

Feldhasen betreiben Caecotrophie, eine dem Wiederkäuen vergleichbare Strategie zur besseren Ausnutzung von Bakterien aufgeschlossener Nahrung und Versorgung mit Eiweiß und Vitaminen: Während ihrer Ruhephasen scheiden diese Tiere sogenannten Blinddarmkot aus und verschlucken ihn sofort wieder unzerkaut. Diese feuchten, in Schleim eingehüllten Caecotrophe werden in einem Teil des Magens mehrere Stunden lang vergoren, bevor sie mit dem übrigen Mageninhalt verdaut werden. Die Caecotrophie ist ein Grund, warum Hasen streßfreie Ruheperioden benötigen und in ihren Mulden nicht immer wieder gestört werden dürfen.

Seit der Intensivierung der Landwirtschaft ab den 1960er Jahren nimmt der Feldhasen-Bestand in vielen Teilen Europas dramatisch ab. Der massive Einsatz von Einsatz von Kunstdünger, chemischen Pflanzenschutzmitteln, Hightech-Maschinen und fossiler Energie auf immer größeren Feldern hat die Erträge enorm gesteigert, zugleich aber vielen Tier- und Pflanzenarten, die jahrhundertelang von der menschlichen "Kultursteppe" profitieren konnten, die (Über-)Lebens- und Nahrungsgrundlage entzogen. Feldhasen leiden insbesondere durch die Monotonisierung der Ackerflächen: Der Schwund der Brachflächen wie auch Gebüsche und Kraut- und Staudenfluren entzieht ihm die nötige ausgewogene Nahrung wie auch Deckung und erzeugt krankmachenden Streß. Die Bestandseinbrüche haben allerdings den Gesetzgeber nicht bewogen, die Hasenjagd zu verbieten, also den Feldhasen von der Liste des jagdbaren Wildes zu streichen.

Feldhase   Feldhase
Feldhase (Lepus europaeus) in der Dämmerung   Feldhase auf einem Feld · Orsoy, 13.07.2006

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