Umweltschutz: Borreliose und FSME

Gemeiner Holzbock (Ixodes ricinus)
Gemeiner Holzbock (Ixodes ricinus)

Weltweit gibt es über 900 Zeckenarten: große Milben, die als Ektoparasiten an Wirbeltieren Blut saugen. Menschen fürchten Zecken zu Recht, denn sie können beim Blutsaugen gefährliche Krankheiten übertragen.

Mit "Zecke" bezeichnet man meist den Gemeinen Holzbock, eine 2,5–4,5 mm große Milbenart. Er lauert zu allen Jahreszeiten auf geeignete Wirte, sofern es mindestens 7° Celsius warm ist – also auch in warmen Wintermonaten. Auch die erwachsenen Tiere sind kaum sichtbar; sie krabbeln von der Vegetation (aus einer Höhe bis 60 cm) auch auf den Menschen, wenn dieser sich in der Natur aufhält, durch Wiesen und Gebüsch wandert oder dort arbeitet. Dabei bietet selbst lange Kleidung keinen 100%ig wirksamen Schutz, da Zecken geduldig freie Hautstellen suchen, um zu stechen (umgangssprachlich: beißen). Es hilft aber, Stiche zu vermeiden, wenn man lange Hosenbeine in die Socken steckt und sich nicht ins Gras legt.

Der Holzbock (Ixodes ricinus) benötigt für seine Fortpflanzung drei Entwicklungsstadien:

  1. Die aus den Eiern geschlüpften fast durchsichtigen Larven haben erst sechs (der später acht) Beine. Sie suchen nagetiergroße Wirte für ihre erste Blutmahlzeit. Nach dieser folgt die erste Winterpause.
  2. Die Nymphe ist das zweite Entwicklungsstadium, in dem sich auch das vierte Beinpaar bildet. Nymphen sind zudem deutlich größer als Larven. Nachdem sie einen Wirt gefunden, gehen sie erneut in die Winterpause.
  3. Nach der letzten Winterpause erreicht der Holzbock als erwachsenes (adultes) Tier sein letztes Stadium, in dem er wieder einen Wirt sucht, um sich anschließend zu paaren.

Zur Erkennung eines möglichen Wirts besitzt der Gemeine Holzbock im untersten Segment des vordersten Beinpaares das Haller-Organ. Mit diesen Chemorezeptoren registriert der Holzbock Spuren, die ein Wirt hinterlassen hat: Stoffe, die bei der Atmung ausgestoßen werden (Kohlendioxid etc.), Ammoniak, das im Urin vorkommt, Butter- und Milchsäure, die beim Schwitzen abgesondert werden.
    Wenn der Holzbock einen Wirt erreicht hat, sucht er eine geeignete Stelle: Dort muß die Haut für seine Mundwerkzeuge dünn genug sein und das Mikroklima warm und feucht. Deshalb sind beim Menschen die Leisten sowie die Kniekehlen und auch die Rückseiten der Ohren sehr geschätzt. Zum Blutsaugen krallt sich die Zecke zunächst in der Haut fest, sticht dann mit ihren Kieferklauen (Cheliceren) ein Loch in die Haut und führt ihren mit Widerhaken besetzten Saugapparat (Hypostom) ein. Der Holzbock ernährt sich allerdings nicht primär vom Blut aus den Kapillaren, sondern von der austretenden Lymphflüssigkeit, ein wenig Blut und auch von Gewebeflüssigkeit. Das vom Hypostom abgegebene Sekret enthält einen Gerinnungshemmer, ein Betäubungsmittel, das den Saugvorgang tarnt, und einen Entzündungshemmer – und manchmal auch einen Krankheitserreger. Nicht die Zecke selbst ist also gefährlich, sondern das Virus oder Bakterium, das beim Stich in die Blutbahn des Menschen gelangt.

Zecken sind nicht überall und in gleichem Maße Verbreiter (Vektoren) gefährlicher Erreger. Die durch einen Virus ausgelöste Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wurde bislang in den allermeisten Fällen in Süd- und Südostdeutschland nachgewiesen, im Westen Deutschlands gibt es nur wenige kleine Risikogebiete. Wer gerne in der Natur wandert, joggt, picknickt, zeltet, sollte also vor einem Ausflug nicht nur die Wettervorhersage für sein Reiseziel hören, sondern ebenso überprüfen, ob dieses aktuell als Risikogebiet gilt.

 FSMELyme-Borreliose
Erreger-TypVirusBakterium
Ort des ErregersSpeicheldrüsen der ZeckeMitteldarm der Zecke
Übertragungszeitsofort nach dem Stich½ –1 Tag nach dem Stich
mögliche TherapiekeineAntibiotika
Impfung möglich?janein

Zecken lauern vor allem in feuchter Umgebung an kniehoher Vegetation, etwa am Wegesrand. Natur läßt sich allerdings nicht wirklich erleben, wenn man nur auf breiten geschotterten oder asphaltierten trockenen Wegen wandelt. Eine wichtige Schutzmaßnahme ist also – auch bei warmem Wetter – geschlossene Kleidung mit langen Ärmeln und Hosenbeinen. Dabei schreckt helle Kleidung zwar Zecken nicht ab, läßt sie uns aber besser entdecken. Ein Repellent auf der Kleidung oder/und Haut hilft, außer Stechmücken auch Zecken zu vergrämen. Neben Pflaster und Mittel zur Wundinfektion gehört auch eine Zecken-Pinzette in den Rucksack.

Nach einem längeren Aufenthalt in der Natur – wenn möglich auch schon währenddessen – sollte man sich im eigenen Interesse genau inspizieren bzw. inspizieren lassen. Hat man eine Zecke entdeckt, ist schnelles Handeln ratsam: Um eine Borreliose-Infektion (genauer: Lyme-Borreliose) zu vermeiden, sollte man die Zecke sofort mit einer Pinzette oder einer Zeckenzange langsam aus der Haut ziehen, dann desinfizieren (falls ein geeignetes Mittel zu Hand ist) und schließlich den Arzt aufsuchen. Eine FSME-Infektion hingegen läßt sich nur sicher vermeiden, wenn die Zecke gar nicht erst stechen kann, da das Virus mit dem Stich sofort übertragen wird. Andere durch Zecken verursachte Infektionen sind selten.

Hier eine Übersicht über die Begriffe und Abkürzungen, die im Zusammenhang mit Zecken verwendet werden:

Babesiose
Infektionskrankheit, die durch Babesien (kleine intrazelluläre Parasiten) hervorgerufen wird und der Malaria ähnelt; sie wird durch Zeckenstiche übertragen.
Borreliose
Die Lyme-Borreliose bzw. Lyme-Krankheit ist eine durch das Bakterium Borrelia burgdorferi hervorgerufene Infektionskrankheit. Borrelien können jedes Organ, das Nervensystem, die Gelenke und das Gewebe befallen. Übertragen werden sie vor allem durch den Holzbock, sehr selten auch durch Stechmücken oder Pferdebremsen. Eine Infektion ist – anders als bei der FSME – in ganz Deutschland und auch in Städten möglich. Bis zur Übertragung der Borrelien vergeht allerdings einige Zeit, deshalb darf man eine Zecke nicht lange saugen lassen.
Ehrlichiose bzw. HME
Die Humane Monozytäre Ehrlichiose (HME) ist eine Infektion durch Ehrlichia-Bakterien, die durch Zecken auch auf den Menschen übertragen werden kann.
FSME
Die Abkürzung FSME steht für 'Frühsommer-Meningoenzephalitis'. Die Symptome sind grippeähnlich (Fieber), nur ein Teil der Patienten erleidet eine Meningoenzephalitis (Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten). Viele Patienten bleiben bei einer Infektion allerdings symptomfrei. Übertragen wird die Krankheit durch einen Zeckenstich. Möglich ist nur die symptomatische Behandlung der FSME, als vorbeugende Maßnahme wir die Impfung empfohlen. Der direkte und indirekte Nachweis des FSME-Erregers ist meldepflichtig.
 
FSME-Virus
Das FSME-Virus ist der für Menschen gefährliche (humanpathogene) Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Seine Übertragung erfolgt sofort nach einem Zeckenstich.
 
Holzbock
Der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) gehört zur Familie der Schildzecken (Ixodidae), Ektoparasiten aus einer Unterordnung (Parasitiformes) der Milben (Acari). Die Größen des Holzbocks schwanken zwischen 2,5 und 4,5 Millimeter, die Weibchen sind meist größer als die Männchen. Die Chitin-Haut (Cuticula) ist so dehnbar, daß die Weibchen eine große Menge Blut aufnehmen und bis zu 5000 Eier produzieren können.
 
Meningoenzephalitis
Entzündung der Gehirnhaut (Meninx encephali) bzw. des Gehirns (griechisch: enképhalon).
 
Prävention, Prophylaxe, Vorbeugung
Gemeint sind u. a. alle Maßnahmen mit dem Ziel, Risiken und Erkrankungen und ihre Folgen etc. abzuschwächen, zu verhüten, von vornherein auszuschließen.
 
Rickettsiosen
Infektionen durch bestimmte Bakterien (Rickettsien), die durch Zecken und andere Milben, Flöhe und Läuse auch auf den Menschen übertragen werden können.
TBE
TBE ist die englische Abkürzung für 'tick-borne encephalitis', bedeutet also 'FSME'.
 
Vektor
Der "Vektor" – ein auch in der Algebra verwenetes Wort – ist in der Biologie und Medizin ein Überträger von Krankheitserregern, die Infektionskrankheiten auslösen.
 
Wirt
Der "Wirt" einer Zecke ist der "Blutspender": meist ein Warmblütler wie eine Maus oder ein Mensch, der einen Parasiten mit Nahrung versorgt.
 
Zecke
Mit "Zecke" ist meist der häufige Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) gemeint, es gibt aber etliche weitere Arten, etwa aus den Gattungen Ixodes ("Igelzecke", "Fuchszecke" etc.), Rhipicephalus ("Braune Hundezecke"), Dermacentor ("Auwaldzecke", "Schafzecke" etc.).
 

Links – weiterführende Seiten im Internet:


Falls am linken Bildschirm-Rand keine Verweisspalte zu sehen ist, klicken Sie bitte auf , um den gesamten Frameset anzuzeigen.

Leitseite Tier und Natur Nach oben Literatur Glossare