Kormorane – Phalacrocoracidae
Artenportraits:   Phalacrocoracidae ·  Kormoran

Ordnung:    Pelecaniformes Sharpe, 1891 – Ruderfüßer
    Familie:        Phalacrocoracidae Reichenbach, 1849 – Kormorane
        Gattung:            Phalacrocorax Brisson, 1760 – Kormorane
            Art:                Phalacrocorax carbo (Linnaeus, 1758) – Kormoran Kormoran
                Phalacrocorax aristotelis (Linnaeus, 1758) – Krähenscharbe
                Phalacrocorax pygmeus (Pallas, 1773) oder:
                Microcarbo pygmeus (Pallas, 1773) – Zwergscharbe

Kormoran   Kormoran
Kormoran (Phalacrocorax carbo) an der ...   ... Mittelmeerküste · Mallorca, Sommer 2001

Die Kormorane und Scharben bilden die Familie der Kormorane (Phalacrocoracidae), wobei die Scharben (etwa die Krähenscharbe und Zwergscharbe) eigentlich nur Kormorane mit Federschopf sind. Die deutsche Bezeichnung Kormoran wurde durch Kontraktion vom lateinischen corvus marinus ('Meerrabe') abgeleitet. Mit Raben und Krähen – wie auch mit Möwen – sind sie allerdings nicht verwandt, vielmehr gehören die Kormorane zusammen mit den Tölpeln (Sulidae) und Pelikanen ((Pelecanidae)) zur Ordnung der Ruderfüßler (Pelecaniformes).
    Anders als z. B. Schwimmenten, die von der Wasseroberfläche aus gründeln und mit ihrem lufthaltigen Gefieder nur mit Mühe tauchen, sind Kormorane schnelle und wenige Taucher, die ihre Beute, nämlich Fische, geradezu verbissen verfolgen und mit ihrem Hakenschnabel greifen. Während die Flügel leicht angewinkelt werden und der Schwanz als Steuer dient, erzeugen die dicht zusammengehaltenen Füße den schnellen Vortrieb. Ihre langen und mühelosen Tauchgänge verdanken sie einem Gefieder, das im Wasser vollständig durchnäßt und daher keinen Auftrieb bewirkt; die Kehrseite dieses Vorteils besteht darin, daß sie ihr Gefieder anschließend mehr oder weniger lang trocknen müssen und zu diesem Zweck in charakteristischer Weise ihre Flügel abspreizen (siehe Foto). Ein erwachsener Kormoran frißt täglich ca. 400–500 Gramm Fisch.

Kormoran-Kolonie
Kormoran-Kolonie und Lachmöwen auf einem Binnengewässer · Vreden-Zwillbrock, 6.5.2006

Kormoran-Kolonie
Zwei Kormorane (Phalacrocorax carbo) an einem Stadtweiher · Solingen, 31.12.2013

Der Kormaran ist seit langem heftigen Anfeindungen und Verfolgungen ausgesetzt, was ihn noch in den 1980er Jahren auch in Deutschland an den Rand des Aussterbens brachte. Der zentrale Vorwurf lautet, er fresse den Fischern die Fische weg und müsse deshalb "reduziert" werden; ein weiterer Anklagepunkt verweist auf die Nistbäume, die durch ihren scharfen Kot der Fischfresser nach wenigen Jahren absterben; ein besonders dümmliches Argument schließlich besagt, das Gleichgewicht der Fischfauna (sogar bei Lachs und Meerforelle) sei durch einen Vogel gefährdet, der schon viele Jahrmillionen vor der Entstehung des Menschen Fische jagte. Landesbehörden quer durch die Republik haben leider häufig ein offenes Ohr für die Lobby-Arbeit der Jäger, Fischer und Angler und genehmigen aus wahlkampfpolitischem Kalkül immer wieder umfangreiche Massaker an den Tieren. So wurden im Juni 2005 in Mecklenburg-Vorpommern im Naturschutzgebiet (!) "Anklamer Stadtbruch" mehr als 6950 Kormorane (Brutvögel und Küken) erschossen (Quelle: Komitee gegen den Vogelmord). Die Landesregierung Nordrhein-Westfalens gab auf Druck der Fischerei-Lobby den Kormoran ab dem 16. September 2006 per Erlaß nahezu flächendeckend zum Abschuß frei. Die so betriebene Vernichtung einer ehemals in Deutschland ausgestorbenen Vogelart führt zudem zu massiven Störungen aller übrigen Wasservögel; für geschützte Tierarten gilt jedoch nach dem Bundesnaturschutzgesetz bzw. dem Bundesjagdgesetz ein Störungsverbot.
    Man könnte diesen Haß auf einen vermeintlichen Nahrungskonkurrenten vielleicht verstehen, wenn der Kormoran als Fischfresser unsere Nahrungsgrundlage zerstören, unsere Wirtschaft ruinieren oder wie Ratten als Überträger einer gefährlichen Krankheit unser aller Gesundheit und Leben gefährden würde. Tatsächlich sind jedoch nur wenige Menschen betroffen, und dies auch nur finanziell oder in ihrem Freizeitvergnügen; den Behörden reicht aber genau das schon für die Genehmigung eines Ausrottungsfeldzuges. Würden rückgratlose Minister an ihre eigene Propaganda glauben, müßten sie auch wieder die Verfolgung von Fischotter, Fisch- und Seeadler, Eisvogel, Haubentaucher und Gänsesäger gestatten ...

Literatur: Verweise:

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