Wasserlungenschnecken · Basommatophora

Anders als die "Landlungenschnecken" (Stylommatophora) leben die "Wasserlungenschnecken" (Basommatophora) im Süßwasser, einige im Brackwasser und im Meer. Das Wort Basommatophora wurde aus drei altgriechischen Wörtern zusammengesetzt: basis ('Basis'), omma ('Auge') und phero ('ich trage'); es bedeutet also 'Basisaugenträger'. Im Vergleich zu den "Landlungenschnecken", die zwei Fühlerpaare besitzen, haben die "Wasserlungenschnecken" nur ein Paar Fühler. Die morphologische (Form-) Einheitlichkeit der Basommatophora ist allerdings nicht Ausdruck einer phylogenetischen (Abstammungs-) Einheit, vielmehr bilden diese Schnecken eine sogenannte paraphyletische Gruppe: Deren taxonomische Untergruppen (Familien, Gattungen, Arten) gehen zwar auf eine jüngste gemeinsame Stammform zurück, jene Untergruppen sind allerdings nicht vollzählig, d. h. es gibt weitere Nachkommen der genannten gemeinsamen Stammform, die nicht in dieser paraphyletische Gruppe (hier: den Basommatophora) enthalten sind. (Ein anderes, bekannteres Beispiel sind die Reptilien, die als paraphyletisch bezeichnet werden, weil sie nicht auch die Vögel umfassen, obwohl beide dieselbe gemeinsame Stammform haben.) Die letzten vier Familien in der Klassifikation der Wasserlungenschnecken (siehe Liste unten: Acroloxidae, Lymnaeidae, Planorbidae, Physidae) sind allerdings Nachkommen einer gemeinsamen Stammform und bilden folglich eine monophyletische Untergruppe, die Taxonomen als Hygrophila bezeichnen.
    'Wasser' und 'Lunge' scheinen ein Widerspruch zu sein, dennoch besitzen auch "Wasserlungenschnecken" eine "Lunge", die Mantelhöhle, die je nach Familie bzw. Gattung sowohl Luftsauerstoff als auch über eine sekundäre bzw. Pseudokieme Wassersauerstoff aufnimmt und Kohlenstoffdioxid abgibt. Auch über ihre Körperoberfläche nehmen manche Arten Sauerstoff aus dem Wasser auf. Gegen Austrocknung sind fast alle Arten deutlich empfindlicher als Landlungenschnecken.

"Wasserlungenschnecken" sind häufiger, als man vielleicht denkt: Sie leben in jedem Binnengewässer, und mit Sumpf- und Wasserpflanzen sowie Wasservögeln gelangen erwachsenen Tiere wie auch ihre Eier auch in fast jeden neuen Gartenteich. Besser noch als Gartenbesitzer kennen Aquarianer diese Schnecken, vor allem die "Posthornschnecke" (Planorbarius corneus) und die Spitzschlammschnecke (Lymnaea stagnalis), die sich in Kaltwasserbecken gut halten lassen, bei zu hohen Temperaturen aber bald sterben. In der Warmwasser-Aquaristik hat sich deshalb die kleinere kalifornische Verwandte der europäischen Posthornschnecke, Planorbarius duryi, durchgesetzt.

Auszug aus der Klassifikation der Wasserlungenschnecken (Basommatophora):

Die Wasserlungenschnecken (Basommatophora) sind als Taxa weniger zahlreich als ihre terrestrischen Verwandten und werden – siehe oben – in nur acht rezente taxonomische Familien eingeteilt, die wiederum in nur sechs "Überfamilien" zusammengefaßt werden. Die Zuordnung einiger Taxa (Familien, Gattungen) ist noch "im Fluß", d. h. umstritten und bei verschiedenen Taxonomen unterschiedlich. Für den Naturfreund und -schützer sind solche Diskussionen unerheblich.

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