Naturschutz-Glossar Biologie
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Einige der hier erklärten Fachausdrücke finden sich auch auf anderen Glossar-Seiten.

A
abiotisch
′unbelebt′: Abiotische Umweltfaktoren sind die Boden-, Wasser-, Luft- und klimatischen Verhältnisse eines Ökosystems, die dessen Organismen beeinflussen; Gegenteil: biotisch (B).
 
Abundanz
vom latein. abundantia = 'Überfluß': in der Ökologie die Populationsdichte, also Anzahl der Individuen einer Art in ihrem Habitat.
 
adult
erwachsen, geschlechtsreif (H: lat.)
 
adventiv
′hinzugekommen′: Adventive Tier- oder Pflanzenarten wurden meist eingeschleppt.
 
Aggregation
Scheingesellschaft: eine Ansammlung von Tieren, die nicht sozial bedingt ist, sondern unabhängig voneinander durch die gleichzeitige Nutzung desselben (für einen Zweck geeigneten) Ortes zustande kommt, etwa eines Futter- oder Trinkplatzes, eines Schlaf- oder Überwinterungsplatzes, eines Nistplatzes oder eines Versteckes. In Totholz nistende Insekten z. B. sind meist Einzelgänger, auch wenn sie in großer Zahl dort vorkommen.
    Im Deutschen wird eine Nestansammlung auch als "Kolonie" bezeichnet; im Englischen allerdings meint eine "colony" eine Nestgemeinschaft adulter Weibchen.
 
Aggression
Als "Aggression" bezeichnet man die Anwendung oder Androhung von Gewalt zur Durchsetzung eigener Interessen. Diese richten sich meist direkt auf die Sicherstellung der Nahrungsgrundlage oder der Fortpflanzung und damit letztlich die Weitergabe der eigenen genetischen Veranlagung. Hierfür wurde der Begriff des "Egoismus der Gene" geprägt, der über die Arterhaltung hinausgeht und den individuellen Egoismus eines Lebewesens meint ...
    Ein Löwenmännchen zum Beispiel, das eine Gruppe Weibchen mit Nachwuchs übernommen haben, tötet den Nachwuchs die wehrlosen Jungen seines Vorgängers, um seinen eigenen Genen zum Erfolg zu verhelfen.
 
Adaptation
Anpassung. (H: lat.)
 
Agamogonie
ungeschlechtliche bzw. vegetative Vermehrung; Gegenteil: (Gamogonie). (H: altgr.)
 
Aculeata
Stechimmen: die Hautflügler (Hymenoptera) mit Wespentaille, deren Weibchen einen Giftstachel haben.
 
allochthon
'andernorts', also 'gebietsfremd': Allochthon sind solche Tier- oder Pflanzenarten, die durch menschliche Eingriffe in Gebiete gelangten, in denen sie zuvor nicht heimisch waren – also dort absichtlich oder versehentlich eingeschleppt wurden oder sich dort verbreiten konnten. Vor 1492 (der Entdeckung Amerikas) eingebürgerte allochtone Arten sind Archäobiota, nach 1492 eingeführte allochtone Organismen sind Neobiota; Gegenteil: autochthon.
 
Allopatrie, Eigenschaftswort: allopatrisch
Vorkommen genetisch verschiedener Populationen einer Art oder nahe verwandter Arten in getrennten geographischen Gebieten. Allopatrische Artbildung bezeichnet folglich die (übliche) Entstehung von Arten in räumlichen getrennten Populationen: Wenn z. B. die Gletscher einer Eiszeit Areale voneinander trennen, können aufgrund genetischer Isolation zunächst Unterarten entstehen und später Arten, deren Individuen nach dem Ende der Eiszeit nicht mehr untereinander fortpflanzungsfähig sind. Gegenteile: Parapatrie (P) und Sympatrie (S).
 
Amplexus · Amplexus axillaris
Umklammerung des Weibchens durch ein paarungsbereites Männchen; der Amplexus axillaris ist die Umklammerung des Weibchens in der Achselgegend.
 
Angiospermen
'Fruchtknotensamer', bedecktsamige Pflanzen bzw. Blütenpflanzen, die große Mehrzahl der rezenten Pflanzen. (Von altgr. angion = 'Behälter', was hier den Fruchtknoten meint, und sperma = 'Samen')
 
anthropophil
'menschenliebend'; anthropophile Tierarten suchen die Nähe des Menschen (Kulturfolger).
 
Archäobiota bzw. Archaeobiota
Oberbegriff zu den Archäozoen ('alte Tierarten'), Archäophyten ('alte Pflanzenarten') und Archäomyceten ('alte Pilzarten') – also jene Arten von Lebewesen, die vor der Entdeckung Amerikas (1492) – also in der Jungsteinzeit, Antike und im Mittelalter – eingeführt oder versehentlich eingeschleppt sind.
 
Ästivation
'Übersommerung', Sommerruhe, Sommerschlaf (H: Latein).
 
autochton
alteingesessen, bodenständig (H: altgr.); Gegenteil: allochton.
 
Autökologie (englisch: autecology)
Biologische Disziplin, die sich mit den Wechselwirkungen zwischen einer Art und ihrer Umwelt befaßt. Untersucht werden einzelne sowie kombinierte Wirkungen abiotischer und biotischer Faktoren (Nahrung, Licht, Feuchtigkeit, Druck, Salzgehalt, Sauerstoff etc.) auf einzelne Individuen dieser Art; deren Anpassungen an ihre Umwelt läßt sich dann ebenso beschreiben wie ihre Wirkungen auf ihre Umwelt.
 
Autökologisches Optimum
der bevorzugte Lebensbereich einer Art unter dem Einfluß eines bestimmten Umweltfaktors (Temperatur, Feuchte, Lichtintensität etc.) ohne Konkurrenz durch Individuen anderer Arten (Interspezifische Konkurrenz, I). Das Optimum unter dem Einfluß auch konkurrierender Arten ist das synökologische Optimum (S).
 
Autotomie
Selbstverstümmelung, z. B. Abtrennung von Schwanzteilen. (H: altgr.)
 
Avifauna
'Vogelwelt' (Von lat. avis = 'Vogel' und fauna = 'Tierwelt')
 
Amphibien
Lurche, wechselwarme Tiere, die im Wasser und auf dem Land leben. Amphibien stellen die ursprünglichsten Landwirbeltiere dar, sie sind mit ihrer nackten und atmenden Haut auf Feuchtigkeit und zur Fortpflanzung auf Wasser angewiesen. (Von altgr. amphi = 'zweifach' und bios = 'Leben')
 
autochthon
alteingesessen, einheimisch, bodenständig (H: altgr.): autochthone Arten sind im aktuellen Verbreitungsgebiet entstanden oder dorthin ohne menschliches Zutun eingewandert; Gegenteil: allochthon.
 
B
biotisch
'belebt'. Die biotischen Umweltfaktoren eines Biotops bzw. Habitats sind die dortigen Tier- und Pflanzenarten, die eine bestimmte Art beeinflussen, und somit die Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Arten eines Ökosystems; Gegenteil: abiotisch (A).
 
Biotop
'Lebensort': Lebensraum einer Lebensgemeinschaft (Biozönose). Die abiotischen (A) Umweltfaktoren eines Biotops bestimmen die Überlebensfähigkeit (das autökologische Optimum, A) einer Pflanzen- oder Tierart.
 
Biozönose
′Lebensgemeinschaft′: Gemeinschaft verschiedener Tier- und Pflanzenarten, die ähnliche Umweltbedingungen (dasselbe Biotop bzw. Habitat) benötigen und einseitig oder gegenseitig voneinander abhängen – vor allem ernährungsbiologisch (vom altgriechischen bios = 'Leben' und koinos = 'gemeinsam'). Manche Biologen verwenden die Bezeichnung Zönose (Z). Die Wechselbeziehungen der Lebewesen untereinander und mit den abiotischen Umweltfaktoren werden in der Biozönologie bzw. Biozönotik untersucht.
 
Brutparasitismus
Häufige, für Kuckucke kennzeichnende Form des Parasitismus, bei der eine Art die Brutfürsorge oder -pflege einer anderen Art (der "Wirtsart") für sich ausnutzt. Man unterscheidet Futterparasitismus (die Nutzung eingetragener Nahrungsvorräte) und Raubparasitismus (das Befallen der Wirtslarve).
 
C
...

 
D
Demökologie
(demos = 'Volk' + Ökologie) ein veraltetes Synonym für 'Populationsökologie' (P), die sich mit den Wechselwirkungen einer Population mit anderen Populationen derselben oder einer anderen Art sowie mit ihrer Umwelt befaßt.
 
detritophag
Detritus-fressend (Detritus = organische Schweb- und Sinkstoffe in Gewässern).
 
Diapause
Latenzperiode bzw. Entwicklungsruhe mit herabgesetztem Stoffwechsel, vor allem während der Metamorphose. Die Diapause kann auch als endogen (von innen, nämlich genetisch und hormonell) gesteuerte Dormanz bezeichnet werden. Einer obligatorischen Diapause sind unabhängig von Umweltbedingungen alle Individuen einer Art unterworfen; eine fakultative Diapause hingegen betrifft nur Individuen bzw. Populationen, die ungünstigen Umwelteinflüssen ausgesetzt sind. In Mitteleuropa dient die Diapause der Überbrückung der kalten Jahreszeit. Insekten diapausieren als Ei, als Larve, als Puppe oder als fertiges Insekt (Imago). Die Imaginal-Diapause hat den Vorteil, daß das Insekt bereits die ersten warmen Frühlingstage als Imago zur Fortplanzung nutzen kann. Die möglichen auslösenden Faktoren einer Diapause sind:
  • eine spürbare Änderung der Tageszeitlänge (Photoperiode);
  • niedrige Temperaturen (etwa in Mitteleuropa);
  • Verknappung der Nahrungsressourcen;
  • anhaltende Trockenheit;
  • mehrere dieser Faktoren kombiniert.
 
Diversität
'Mannigfaltigkeit', Artenvielfalt (Von lat. diversus = 'entgegengesetzt'.)
 
Domestikation, Domestizierung
'Haustierwerdung', Züchtung von Tieren und Pflanzen nach den Kriterien des Menschen; die natürliche Auslese (Selektion) der Evolution wird dabei durch eine künstliche Zuchtwahl ersetzt. (Von lat. domesticus = 'häuslich')
 
Dormanz
'Schlaf, Ruhe': Entwicklungsruhe des gesamten Organismus oder nur der Gonaden (Keimdrüsen). Die auch endogen (von innen, nämlich genetisch und hormonell) gesteuerte Dormanz wird auch als Diapause (siehe oben) bezeichnet. Eine exogen (von außen) gesteuerte Dormanz wird als Quieszenz bezeichnet; diese wird etwa durch ungünstige Temperaturen oder allzu kurze Tageslängen sofort ausgelöst und durch den Wegfall der ungünstigen Bedingungen sofort wieder aufgehoben.
 
E
Ektoparasit
'Außenparasit': Parasit, der an bzw. auf seinem Wirt lebt. Ektoparasiten dringen nur mit ihren der Nahrungsaufnahme dienenden Organen in ihren Wirt ein und ernähren sich von Hautteilen, Blut oder Gewebsflüssigkeit; Beispiele sind Läuse, Stechmücken oder Zecken. Gegenteil: Endoparasit.
 
Endemit, Eigenschaftswort: endemisch
Einheimische Tier- oder Pflanzenart, die nur in einem definierten Gebiet vorkommt (H: altgr.).
 
Endochorie, auch: Endozoochorie
'innere Verbreitung', Verdauungsausbreitung: Ausbreitung durch Aufnahme von Früchten und Ausscheidnung unverdauter Samen, Unterform der Zoochorie (Z)
 
endogäisch
'unterirdisch': endogäisch nistende Arten legen ihre Nester in der Erde an, etwa in selbstgegrabenen Gängen oder in Mäuseburgen; Gegenteil: hypergäisch (H)
 
Endoparasit, auch: Entoparasit
'Innenparasit': Parasit, der im Inneren seines Wirtes lebt; Beispiele sind Bandwürmer oder Dasselfliegenmaden. Gegenteil: Ektoparasit.
 
Endosymbiose
Eine Symbiose (S), bei der eine Art in einer anderen lebt, z. B. eine Algenzelle der Art Nephroselmis in dem Geißeltierchen (Flagellanten) Hatena, das die Alge verschluckt und ihren Photosensor zur Photosythese nutzt. Während der Freßaparat des Flagellanten verkümmert, wächst die Alge auf ihre zehnfache Größe und verändert ihre Zellstruktur.
 
Entomologie
Die Wissenschaft von den Gliedertieren, bes. den Insekten bzw. Kerbtieren (H: altgr.). Ein anderes Wort, das aber nur auf Insekten verweist, ist "Insektologie"; (Die erste Hälfte dieses Wortes ist lat., die zweite wieder altgr.). Ein Insektenkundler ist ein "Entomologe" oder auch "Insektologe".
 
enthomophil
′insektenliebend′ bzw. ′insektenblütig′: Enthomophile Blütenpflanzen werden von Insekten bestäubt, nicht vom Wind oder z. B. von Vögeln oder Fledermäusen.
 
Ethologie
′Verhaltenskunde′, ′Verhaltensbiologie′, aus der "vergleichenden Verhaltensforschung" hervorgegangenes Studiengebiet der Biologie.
 
euryök
'breit, weit' bezüglich der 'Umwelt': hinsichtlich eines oder mehrerer Umweltfaktoren unspezialisiert, Umwelt-tolerant bzw. Umwelt-Generalist. Gegenteil: stenök bzw. Stenökie (S).
 
eurytop
= euryök.
 
Eukaryoten
Einzeller und Vielzeller, die sich einst aus Prokaryoten entwickelten und ihrerseits die Vorfahren der heutigen Protisten (ursprünglichste Gruppe der Eukaryoten: Algen, Geißeltierchen etc.), Pflanzen, Pilze und Tiere waren. (H: altgr.)
 
eusozial
′auf breiter Basis sozial′, ′hochorganisiert′, also in weiten Bereichen ′gesellig′ im neutralen bzw. wertfreien Sinne. Wichtige Merkmale sind die Arbeitsteilung und zwei Generationen in einem Volk. Honigbienen gelten als hocheusoziale, Hummeln als primitiv eusoziale Wildbienen.
 
eutroph, Substantiv: Eutrophie, Eutrophierung
′nährstoffreich′, Trophiestufe (T) 3: Manche Pflanzen gedeihen nur oder vorzugsweise auf eutrophen Böden, andere nur auf oligotrophen, also nährstoffarmen. Eutrophierung bedeutet ′Überdüngung′.
 
Evolution
′Entwicklung′, die stammesgeschichtliche Weiterentwicklung von Tier- und Pflanzenarten. Evolution erfolgt durch Mutation und Selektion.
 
F
Fauna
'Tierwelt', 'Tierreich' (H: lat.).
 
Faunistik
Als Teilgebiet der Zoologie die Lehre vom Vorkommen und der Verbreitung von Tierarten in einem größeren Gebiet
 
Flora
'Pflanzenwelt', 'Pflanzenreich' (H: lat.).
 
G
Generalist
(Pflanzen- oder) Tierart, die sich nicht auf bestimmte Klimate, Nahrung, Nahrungs- und/oder Fortpflanzungshabitate spezialisiert hat, sondern ein mehr oder weniger breites Nahrungs- und Habitatspektrum nutzen kann. Gegenteil: Spezialist.
 
Genetik
Wissenschaft von der Entstehung der Lebewesen; im engeren Sinne: Vererbungslehre. (Von altgr. genesis = 'Erzeugung, Ursprung')
 
Genotyp(us)
Die erblichen (genetischen) Eigenschaften eines Lebewesens, im Unterschied zu seinem Phänotyp(us), also seinem äußeren Erscheinungsbild; Eigenschaftswort: genotypisch. (H: altgr.)
 
Gymnospermen
'Nacktsamer', aus den ersten Samenpflanzen entstandene Pflanzen (vor allem Koniferen), deren offen liegende ("nackte") Samen den Embryo und die zur Entwicklng nötigen Reservestoffe mit einer Hülle gegen Austrocknung und sonstige Schädigung schützen. (Von altgr. gymnos = 'nackt' und sperma = 'Samen')
 
H
halophil
'salzliebend'
 
hemimetabol, Substantiv: Hemimetabolie
'(mit) halbe(r) Verwandlung' bzw. (mit) unvollständige(r) Entwicklung, Metamorphose (M) ohne Puppenstadium; hemimetabole Insekten sind z. B. die Heuschrecken und Libellen, deren Vollinsekten (Imagines, I) direkt aus den Larven schlüpfen.
 

herbivor, siehe auch phytophag (Ph)
'krautessend': herbivore Tiere (bzw. Herbivoren oder Phytophagen) sind Pflanzenfresser. (Von ihnen ernähren sich die Fleischfresser bzw. Beutegreifer = Predatoren). Unter den Hautflüglern sind die Bienen zwar Vegetarier, aber als Pollen-, Nektar- und Öl-Konsumenten nicht im wörtlichen Sinne herbivor; man bezeichnet sie daher aher als phytophag. Wespen sind hingenen karnivor bzw. zoophag.
 
Hermaphroditismus
Zwittrigkeit, Zwittertum, das (regelhafte) Vorkommen doppeltgeschlechtlicher Individuen in einer Tier- oder Pflanzenart: Jeder Artgenosse hat beide Geschlechter und bildet sowohl männliche als auch weibliche Keimzellen. Im Pflanzenreich ist Hermaphroditismus weit verbreitet, bei den Samenpflanzen unterscheidet man zwei Typen: Einhäusige (monözische, M) Pflanzen haben auf einer Pflanze männliche wie auch weibliche Blüten; "echt zwittrige" Pflanzen hingegen haben nur eine Art von Blüten, in denen sich gleichzeitig männliche und weibliche Geschlechtsorgane befinden.
Hinweis: Die Bezeichnung ist abgeleitet von Hermaphroditos, einer Figur der griechischen Mythologie, und verbindet Hermes, den Schutzgott des Verkehrs, der Kaufleute und der Hirten, mit Aphrodite, der Göttin der Liebe, der Schönheit und der sinnlichen Begierde.
 
Herpetologie
Die Wissenschaft von den Amphibien ('Lurchen') und Reptilien ('Kriechtieren') (H: altgr.). Ein Lurch- und Kriechtierkundler ist demnach ein "Herpetologe".
 
Hibernation
'Überwinterung', Winterruhe, Winterschlaf (H: Latein).
 
holometabol, Substantiv: Holometabolie
(mit) vollständige(r) Verwandlung (Metamorphose, M) von der Larve bis zum Vollinsekt (Imago, I) einschließlich des Puppenstadiums
 
homoiotherm
'gleiche Wärme', also warmblütig (H: altgr.). Vögel und Säugetiere sind homoiotherm, d. h. sie halten eine annähernd gleiche Temperatur aufrecht – im Gegensatz zu den wechselwarmen Amphibien und Reptilien. Synonym: idiotherm; Antonym: poikilotherm.
 
Hybridisierung
Bastardisierung (H: altgr.)
 
hygrophil
feuchtigkeitsliebend. (H: lat.)
 
hypergäisch
'oberirdisch': hypergäisch nistende Arten legen ihre Nester über der Erdoberfläche an, etwa unter Moospolstern, in Baum- oder Mauerlöchern etc.; Gegenteil: endogäisch (E)
 
Hypermetamophose
mehrfache Metamorphose, also eine Metamophose (M), bei der sich die morphologischen Merkmale eines Tieres im Verlauf seiner Individualentwicklung mehrfach deutlich ändern. Ein Beispiel sind die Triungulinen und weiteren Stadien der Ölkäfer; diese parasitieren Bienen.
 
Hyperparasitoid
sekundärer Parasitoid (PA), also ein Parasitoid, der einen anderen Parasitoid befällt.
 
I
Imago, die; Plural: Imagines
Das erwachsene Insekt nach abgeschlossener Metamorphose (M). Die Larvenphase (Larvalphase) (L) vieler Insekten dauert sehr viel länger als ihre jeweilige Imaginalphase, die ausschließlich der Fortpflanzung dient. (H: lat.)
 
indigen
'eingeboren, einheimisch' (von lat. indigena): autochton (A), also ohne menschlichen Einfluß in einem Gebiet dauerhaft vorkommend; indigene bzw. autochton Arten sind also das Gegenteil von Archäobiota (A), Neobiota (N) und gezüchteten bzw. Kulturarten.
 
invasiv
'eindringend': Invasive Organismen sind gebietsfremde Arten (engl. alien species), die – durch oder auch ohne menschlichen Einfluß – eine Ausbreitungsbarriere zwischen ihrem bisherigen Areal und einem für sie neuen Gebiet überwunden haben und sich dort ausbreiten. Als invasiv gelten vor allem die Neobiota (Neomyceten, Neophyten, Neozoen), also Arten, die seit der Entdeckung Amerikas in für sie neue Lebensräume verschleppt wurden und werden.
    Problematisch sind Invasoren, weil sie heimische Arten verdrängen können. Möglich ist dies durch mehr Nachwuchs also eine größere Population und somit stärkere Konkurrenz um dieselben Ressourcen, durch bessere Anpassung an den Lebensraum (eine breitere ökologische Nische, N bzw. Euryökie, E), durch Prädation (P), wenn die Beute dem Druck mangels Ko-Evolution (K) nicht gewachsen ist, oder durch zusammen mit den Invasoren eingeschleppte Krankheiten. Beispiele für populationsgefährdende Krankheiten sind die Krebspest, die mit amerikanischen Flußkrebsarten eingeschleppt wurde und den Europäischen Edelkrebs vernichtet, oder die Varroamilbe, die mit der "Östlichen" bzw. "Asiatischen Honigbiene" (Apis cerana) eingeschleppt wurde und nicht nur domestizierte Honigbienen-Völker gefährdet (die selbst Invasoren sind), sondern auch die Wiederansiedlung der heimischen Dunklen Honigbiene (Apis m. mellifera).
 
Isolat
'Isoliertes'; isoliertes, von der Verbreitung der Hauptpopulation getrenntes Vorkommen einer Art. (H: lat.)
 
Isotherme
'Gleiche Wärme'; Linie gleicher Temperatur in der Landschaft. Eine 10-Grad-Isotherme z. B. ist also eine Grenzlinie, an der im Jahresdurchschnitt 10° Celsius erreicht werden. Die Klimaerwärmung führt zur Verschiebung der Isothermen (und damit von Habitaten vieler Spezies) nach Norden.
 
J
juvenil
jugendlich, noch nicht geschlechtsreif (H: lat.)
 
K
Klepton
'Das Gestohlene': Die Herpetologen Dubois & Günther bezeichneten 1982 mit Klepton einen ungewöhnlichen Hybrid mit drei Chromosomensätzen, nämlich den Teichfrosch (Rana esculenta). Diese triploiden Tiere tragen die vollständige Erbinformation einer der beiden Elternarten in sich, sie haben also einen Chromosomensatz quasi "gestohlen" – daher der Begriff aus dem Altgriechischen. Einige Taxonomen kennzeichnen ein Klepton durch die Abkürzung kl. zwischen dem wissenschaftlichen Gattungs- und dem Artnamen.
 
Ko-Evolution, Koevolution, Coevolution, Co-Evolution
'Mit- bzw. gleichzeitige Entwicklung': Entwicklung durch wechselseitige Anpassungen zweier interagierender Arten während ihrer Stammesgeschichte. Der gegenseitige Selektionsdruck führt zu Ko-Adaptationen (gegenseitigen Anpassungen), etwa beim Sehvermögen und der Reaktionsschnelligkeit und Laufgeschwindigkeit von Gepard und Antilope.
 
Kolonie
Im Deutschen bezeichnet dieses Wort in der Regel eine durch günstige Nistbedingungen hervorgerufene Ansammlung (AggregationA) von Nestern solitärer Bienen im Boden oder in pflanzlichem Material; bei sozialen Bienen (vor allem Hummeln) aber wird es manchmal auch synonym zu 'Staat' bzw. 'Volk' verwendet – vielleicht als Lehnübersetzung des englischen Wortes colony, das eine Nestgemeinschaft adulter Weibchen meint.
 
Komfortverhalten
Verhaltensweisen, die entweder der Körperpflege dienen (Putzen, Kratzen, Sichschütteln und -scheuern, Wasser-, Staub- oder Sonnenbaden) oder dem Stoffwechsel, vor allem der Sauerstoffversorgung (Sichstrecken, Gähnen). "Komfortverhalten" wird manchmal sekundär zum "Ausdrucksverhalten" weiterentwickelt, mit dem Artgenossen beeinflußt werden können, das also der Verständigung dient (Balzen, Drohen, Beschwichtigen etc.).
 
Kommensale bzw. Kommensalismus
′Mitesser′ bzw. ′Mitessen′: Teilhaber bzw. Teilhaben an der Nahrung einer anderen Art, ohne daß diese darunter leidet. (Von lat. con = ′zusammen mit′ und mensa = ′Tisch′)
 
Kommentkampf
Nach festen "Regeln" ablaufender Kampf mit einem Artgenossen mit dem Ziel, diesen aus dem Revier oder von einem potentiellen Geschlechtspartner zu verdrängen oder in der Rangordnung aufzusteigen. Die "Regeln" haben den Zweck, Verletzungen durch Beißen, Treten, Stoßen etc. zu vermeiden. (Vom französischen comment = 'wie')
 
kongenerisch, auch: congenerisch; Substantiv: Kongenerität, auch: Congenerität
Pflanzen- oder Tierarten sind kongenerisch, wenn sie zur selben biologischen Gattung (Genus) gehören, also Gattungsgenossen sind.
 
konspezifisch, auch: conspezifisch; Substantiv: Konspezifität, auch: Conspezifität
'mitartlich': Individuen bzw. Populationen einer Pflanzen- oder Tierart sind konspezifisch, wenn sie zur selben biologischen Art (Spezies) gehören, also Artgenossen sind.
 
Koprophagie
Fressen von Kot (H: altgr.)
 
Kopulation
Paarung, sexuelle Vereingigung
 
Kriechtier
'Reptil'. Manchmal werden umgangssprachlich auch Amphibien fälschlicherweise als "Kriechtiere" bezeichnet.
 
L
Larve
Lebens- bzw. Entwicklungsform zwischen der Ei- und Jugendphase – z. B. bei Amphibien die Kaulquappe. Larven sehen meist ganz anders aus als die erwachsenen Tiere ihrer Art und leben oft auch anders bzw. an anderen Orten.
 
Larvalphase
In der Entwicklung eines Insekts die Phase zwischen Ei und Puppe. Die Larvenphase vieler Insekten dauert sehr viel länger als ihre jeweilige Imaginalphase, die ausschließlich der Fortpflanzung dient.
 
Limakologie
Schneckenkunde (von altgr. leimax = 'Schnecke' und logos = 'Lehre')
 
Limikolen
Populärwissenschaftlicher Sammelbegriff für 'Wat- und Stelzvögel'.
 
lithophil
'steinliebend'; die Weibchen einer lithophilen Bienenart leben bevorzugt auf steinigem Gelände und bauen sogenannte Freinester an Gestein (zum Vergleich: Lithographie = 'Steindruck').
 
M
matrifilial
′aus Mutter und Tochter′; ein matrifilialer Bienenstaat besteht aus der Mutter- und Tochtergeneration, also aus Königin(nen) und Arbeiterinnen.
 
Mesolektie, mesolektisch
Mesolektische Wildbienenarten sammeln Pollen an Blütenpflanzen aus nur wenigen Pflanzenfamilien. Der von einigen Autoren verwendete Begriff der Mesolektie ist eine Zwischenform der Sammelpräferenz zwischen Monolektie bzw. Oligolektie (extreme Spezialisierung) und Polylektie (fehlende Spezialisierung) und als solche noch unschärfer als die beiden Extreme.
 
Metamorphose
'Umwandlung' einer Larve in das Geschlechtstier bzw. fertige Insekt, das auch Imago genannt wird. Es gibt zwei Metamorphose-Typen: Bienen, Wespen, Fliegen, Käfer und Schmetterlinge etc. sind holometabole Insekten, d. h. sie machen eine vollständige Metamorphose einschließlich einer Verpuppung durch; hemimetabole Insekten wie etwa die Heuschrecken oder Libellen haben kein Puppenstadium. Der Begriff Metamorphose wird umgangssprachlich auch im übertragenen Sinne (als Metapher) als Synonym für 'Verwandlung' verwendet.
 
Mimese
Imitation unauffälliger Einzelheiten der Umgebung, um verborgen zu bleiben. Beispiel: die Nachahmung von Rinde oder Blättern bei manchen Insektenarten.
 
Mimikry
'Signalimitation': Nachahmung eines anderen Lebewesens oder eines Teils davon, um aufzufallen und so einen Vorteil zu erlangen. Beispiel: Die auffällige schwarz-gelbe Streifung einer Schwebfliege ahmt eine Wespe nach und schützt sie so vor Freßfeinden. Die Nachahmung des Verhaltens eines anderes Tieres bezeichnet man als Verhaltensmimikry. Siehe auch: Mimese.
 
Monoandrie
′mit nur einem Männchen′: Das (zeitweilige oder dauerhafte) Zusammenleben mehrerer Weibchen mit nur einem Männchen; Gegenteil: Monogynie ('nur ein Weibchen').
 
monogam, Substantiv: Monogamie
Das (zeitweilige oder dauerhafte) Zusammenleben je eines Indviduums beider Geschlechter, in der Regel zum Zwecke gemeinsamer Brutpflege; über 90% der Vogelarten sind monogam. Man unterscheidet Monogynie ('nur ein Weibchen') und Monoandrie ('nur ein Männchen'). Gegenteil: Polygamie (P). (H: altgr.)
 
monogyn, Plural: Monogynie
′mit nur einem Weibchen′: Staatenbildende Insekten (etwa Hummeln oder Honigbienen) sind monogyn, wenn nur ein Weibchen, nämlich die Königin, im Nest ist. Gegenteil: oligogyn (O)
 
Monolektie, monolektisch
Monolektische Wildbienenarten sammeln Pollen ausschließlich an einer Pflanzenart, von deren Vorkommen sie völlig abhängig sind. Die Sammelspezialisierung der Monolektie ist eine Extremform der Oligolektie; Gegenteil: Mesolektie und Polylektie.
 
monophag, Substantiv: Monophagie
′eines essend′: nur von einer Pflanzen- oder Tierart bzw. -gattung lebend. Monophagie kommt vor allem bei Pflanzenfressern sowie parasitischen und parasitoiden Insekten vor. Man kann drei Stufen bzw. Grade unterscheiden:
  1. Ernährung von nur einer Art
  2. Ernährung von einigen Arten einer Gattung
  3. Ernährung von allen Arten einer Gattung
Ein ähnlicher Begriff ist die Oligophagie (O), das Gegenteil ist die Polyphagie (P).
 
monospezifische Gattung
Gattung, der nur eine Art zugeordnet ist.
 
Mutation
'Veränderung', 'Wechsel': die plötzliche, ungerichtete und zufällige Veränderung im Erbgut einer Körperzelle. Zusammen mit der Selektion macht sie die Evolution aus. (Von lat. mutatio = 'Veränderung, Wechsel')
 
Myiasis
"Fliegenkankheit": Befall der Haut mit Fliegenlarven, wie er bei Hauskaninchen gelegentlich zu beobachten ist.
 
Mykorrhiza
Die Wurzel "höherer" Pflanzen (z. B. Bäume), die in ihrer Rindenzone von Pilzen besiedelt wird.
 
N
Neobiota, Singular: Neobiont
'neue Lebewesen': Oberbegriff zu den Neozoen ('neue Tierarten', Singular: Neozoon), Neophyten ('neue Pflanzenarten', Singular: Neophyt) und Neomyceten ('neue Pilzarten', Singular: Neomycet) – also jenen invasiven Arten von Lebewesen, die seit der Entdeckung Amerikas (1492) eingeführt oder versehentlich eingeschleppt sind.
 
Neozoon, Plural: Neozoen
Etablierte Neozoen sind Tierarten, die nach dem Jahre 1492, also der Wiederentdeckung Amerikas durch Christoph Columbus, unter direkter oder indirekter Mitwirkung des Menschen in ein bestimmtes Gebiet gelangt sind, in das sie durch ihr eigenes Ausbreitungspotential in rezenter Zeit nicht hätten gelangen können und wo sie seit langem, d. h. seit mehr als 25 Jahren oder mindestens 3 Generationen leben. (Pflanzliche Neubürger sind Neophyten, neue Pilzarten sind Neomyceten, der Oberbegriff zu den drei Gruppen ist Neobiota.)
 
Nische, ökologische
Aufgabe bzw. Funktion, die eine Tier- oder Pflanzenart in der Lebensgemeinschaft eines Biotops ausübt. Eine "ökologische Nische" ist also nicht als physischer Ort definiert, sondern – um zum Vergleich einen Marketing-Begriff der Wirtschaft zu bemühen – ein ökologische 'Marktlücke', die von einer Art z. B. durch spezialisierte Habitat- bzw. Nahrungsansprüche besetzt wird, wenn sie dadurch die Konkurrenz anderer Arten vermeiden kann. Als die ersten Tiere vor mindestens 400 Millionen Jahren das Land erobern konnten, war diese ihre Fähigkeit eine ökologische Nische, die andere, meeresbewohnende Arten nicht nutzen konnten.
 
nitrophil
′stickstoffliebend′: Nitrophile Pflanzen bevorzugen nitrat- bzw. stickstoffreiche Biotope.
 
Nominatrasse bzw. Nominatunterart
Die Unterart einer Tier- oder Pflanzenart, die als erste, d. h. vor weiteren Unterarten, beschrieben wurde. Im wissenschaftlichen Namen einer Nominatunterart sind das zweite und dritte Wort identisch. Die Bezeichnung "Nominatrasse" ist strenggenommen falsch, da eine "Rasse" keine Unterart, sondern das Ergebnis einer künstlichen (menschlichen) Zucht ist.
 
O
Ökologie
'Umweltlehre', die Lehre von den Wechselbeziehungen zwischen Lebewesen und ihrer belebten und unbelebten Umwelt (H: altgr.); ein Fachmann für Umweltlehre ist ein "Ökologe".
 
ökologische Amplitude
In der Physik und Technik wird eine Amplitude definiert als die maximale Abweichung einer Schwingung bzw. Welle von einem arithmetischen Mittelwert. Der (manchmal verwendete) Begriff der ökologischen Amplitude bezeichnet ein Ausmaß, in dem eine Pflanzen- oder Tiertart entsprechend ihrer ökologischen Potenz (s. u.) unter dem Einfluß eines bestimmten Umweltfaktors (Temperatur, Feuchte, Lichtintensität etc.) existieren kann.
 
ökologische Potenz, ökologische Toleranz
die Fähigkeit einer Art, unter dem Einfluß eines bestimmten Umweltfaktors (Temperatur, Feuchte, Lichtintensität etc.) zu existieren. Die ökologische Potenz wird kaum jemals ausgeschöpft, da konkurrierende Arten das synökologische Optimum (S) begrenzen – sie ist also nicht identisch mit der ökologischen Nische (N).
 
Ökonomie
'Wirtschaft' sowie 'Wirtschaftlichkeit, Sparsamkeit', in der Biologie sparsamer Umgang mit der eigenen Energie um sicherzustellen, daß der Energieaufwand insbesondere zur Nahrungssuche und -aufnahme nicht größer wird als der dafür nötige Energieverbrauch. Ein Beutegreifer z. B. jagt vorzugsweise die Beute, die er am leichtesten erbeuten kann, und zwar dort, wo sie am leichtesten zu erbeuten ist. (Von lat. oeconomia = 'Einteilung, Ordnung, Verwaltung')
 
Ökosystem
System aus einer Biozönose (B), also interagierenden Individuen mehrerer Pflanzen- und Tierarten, und den abiotischen (A) Umweltfaktoren eines Biotops (B).
 
Ökosystemdienstleistung, auch: Ökosystemleistung
Dieser etwas sperrige Terminus ist kein ökologischer Fachbegriff, er bezeichnet vielmehr den Nutzen bzw. die Vorteile ökologischer Systeme (der Natur) für den Menschen. Die englische (bzw. internationale) Bezeichnung, ecosystem service (ESS), wird definiert als 'the benefits people obtain from ecosystems' bzw. 'the conditions and processes through which natural ecosystems, and the species that make them up, sustain and fulfill human life'. Ein Beispiel einer Ökosystemdienstleistung ist das Bestäuben von (Nahrungs-) Pflanzen durch Insekten, also Fliegen, Käfer, Schmetterlinge, Wespen und Wildbienen. Nicht gemeint (wiewohl manchmal so mißverstanden) sind Hilfen bzw. Dienstleistungen des Menschen für das Ökosystem.
 
Ökoton
Saumbiotop (H: altgr.)
 
oligogyn
Staatenbildende Insekten sind oligogyn, wenn nur wenige Weibchen, nämlich Königinnen, im Nest ist. Gegenteil: monogyn (M).
 
Oligolektie, oligolektisch
′Auswahl weniger, Sammelspezialisierung auf wenige (Pflanzen)′: Oligolektische Bienenarten sammeln Pollen ausschließlich an Blütenpflanzen einer Pflanzenfamililie, im Extremfall einer Pflanzenart (auch: Monolektie) (Buchstabe S: Symbiose Symbiose). Da sie nicht auf andere Futterpflanzen ausweichen können, sterben sie ohne ihre Trachtpflanze(n) lokal selbst dann aus, wenn ideale Nistplätze vorhanden sind. In Deutschland sind 30 % der nestsuchenden Wildbienen oligolektisch. Gegenteil: polylektisch (P).
 
oligophag, Substantiv: Oligophagie
′wenig(e) essend′: nur von wenigen Pflanzen- oder Tierarten bzw. -gattungen lebend. Der Begriff der Oligophagie ist etwas unscharf: Er kann sich auf die Nutzung einiger Pflanzen- oder Tierarten einer Gattung beziehen (was der Monophagie 2. Grades entspricht), aber auch auf Arten mehrerer Gattungen. Gegenteil: polyphag bzw. Polyphagie (P).
 
Ontogenese
Entwicklung von der befruchteten Eizelle bis zur Geschlechtsreife (Von altgr. on(t) = 'seiend' und genesis = 'Schöpfung'). Das Gegenteil ist Phylogenese bzw. Phylogenie.
 
Ornithologie
'Vogelkunde' (H: altgr.); ein Vogelkundler ist ein "Ornithologe".
 
ovipar
'eierlegend', 'durch Eier gebärend'. Gegenteil: vivipar = 'lebendgebärend'. (H: lat.)
 
ovovivipar
'ei-lebendgebärend': Bezeichnung für das Gebären von Jungtieren, die sich in Eihüllen im Mutterleib entwickeln und erst kurz vor oder bei der Geburt schlüpfen; eine frühere Eiablage wäre wegen des Klimas, des Substrats (Bodenverhältnisse) oder des Feinddrucks zu verlustreich.
 
P
Paedogenese
Fortpflanzung in einem Jugendstadium
 
Parapatrie, Eigenschaftswort: parapatrisch
'Neben-Vaterland': Vorkommen von Arten oder Unterarten in Verbreitungsgebieten, die aneinandergrenzen; vereinzelter Genaustausch ist also möglich, aber so selten, daß reproduktive Isolation schließlich zur Artbildung führt. Gegenteile: Allopatrie (A) und Sympatrie (S).
 
Parasit bzw. Parasitismus
'Schmarotzer' bzw. 'Schmarotzertum': ein Parasit lebt als Ektoparasit auf oder als Entoparasit in seinem Wirt (= 'Opfer') und schädigt diesen, um sich zu ernähren oder/und fortzupflanzen. Einige Kuckuckarten sind Brutparasiten. (Von altgr. parasitos und dann lat.en parasitus)
 
Parasitoid
Schmarotzer, der sein Opfer zunächst parasitisch nutzt, schließlich aber doch tötet.
 
Parthenogenese
′Jungfernzeugung′: die Entstehung eines Lebewesens aus einem unbefruchteten Ei. Bei den Bienen entstehen in der Regel die Männchen (Drohnen) ungeschlechtlich.
    Etymologischer Hinweis: Der Begriff geht zurück auf das altgriechische parthenos = 'Jungfrau' und genesis = 'Geburt, Ursprung'; die 'Jungfrau' ist der Beiname der griechischen Göttin Athena Parthenos und namengebend für ihren Tempel, den berühmten Parthenon.
 
perennierend
'durchs Jahr'; ausdauernd, beständig (H: lat.)
 
Ph
Phänologie
'Erscheinungskunde'; Lehre der jahreszeitlich-periodisch wiederkehrende Entwicklungserscheinungen in der Natur. (H: altgr.)
 
Phänotyp(us)
Erscheinungsbild eines Lebewesens, im Unterschied zu seinem Genotyp(us), also seinen Erbanlagen; Eigenschaftswort: phänotypisch. (H: altgr.)
 
Phobotaxis
′ängstliche Ortsveränderung′: Angstreaktion und Flucht aus dem Quellbereich eines furchtauslösenden Faktors.
 
Phonotaxis
′tongeleitete Ortsveränderung′: an Tönen orientierte Fortbewegung, insbesondere: Hinlaufen zu einem Geschlechtspartner aufgrund des Gesangs.
 
Phoresie
Die Nutzung eines anderen Lebewesens als Transportmittel. Manche Milben z. B. nutzen Bienen nur für einen Ortswechsel, andere hingegen parasitieren sie, indem sie an ihnen saugen oder ihren Pollenvorrat fressen.
 
phytophag
′pflanzenfressend′: Phytophage Tiere ernähren sich von lebender Pflanzensubstanz.
 
Phylogenese, Phylogenie
Stammesentwicklung der Lebewesen (Von altgr. phyle = 'Volksstamm' und genesis = 'Schöpfung'). "Die Phylogenese ist in der Ontogenese enthalten" besagt, daß die Entwicklungsstadien eines Fötus (auch des Menschen) die Millionen Jahre lange Entwicklung bis zu dieser Art wiederspiegelt, etwa durch die zeitweilige Entwicklung von Kiemen, die dann wieder zurückgebildet werden.
 
phytophag, siehe auch herbivor (H)
'pflanzenfressend': Phytophage Tiere ernähren sich von lebender Pflanzensubstanz, Bienen z. B. von Pollen und Nektar, einige Arten auch von Blütenöl.
 
Phytozönose, ein Typ der Biozönose (B)
'Pflanzengemeinschaft': die für einen Standort spezifische Kombination von Pflanzenarten mit ähnlichen oder gleichen Ansprüchen an ihren Standort.
 
poikilotherm
'mit veränderlicher Wärme', also wechselwarm (H: altgr.). Amphibien und Reptilien sind poikolotherm, d. h. ihre Körpertemperatur ist von der Umgebungstemperatur abhängig – im Gegensatz zu den warmblütigen Vögeln und Säugern. Synonym: heterotherm; Antonyme: homoiotherm, idiotherm.
 
Polygamie
Geschlechtliche Beziehungen zwischen einem Indviduum des einen und mehreren Individuen des anderen Geschlechts. Man unterscheidet Polygynie ('Vielweiberei') und Polyandrie ('Vielmännerei'). Das Gegenteil ist Monogamie (M). Vögel sind meist monogam, da auch die Männchen meist an der Brutpflege beteiligt sind, Säugetiere hingeben polygam. (H: altgr.)
 
Polylektie, polylektisch
′viel sammelnd′ bzw. ′viele (Trachtarten) wählend′: Polylektische Wildbienenarten sind nicht auf Blüptenpflanzen einer Pflanzenfamilie oder -art spezialisiert, sie sammeln an Trachtpflanzen sehr vieler, wenn auch nicht unbedingt aller Familien. Gegenteil: Oligolektie (O) bzw. Monolektie, auch: Mesolektie.
 
polyphag, Substantiv: Polyphagie
′viel essend′: von vielen Pflanzen- oder Tierarten bzw. -gattungen lebend. Gegenteil: oligiphag bzw. Oligophagie (O) und monophag bzw. Monophagie (M).
 
Populationsökologie
(lat. populus = 'Volk' + gr. oikos = 'Haushalt' + gr. logos = 'Lehre') Die Populationsökologie befaßt sich mit den Wechselwirkungen einer Population mit anderen Populationen derselben oder einer anderen Art sowie mit ihrer Umwelt.
 
Prädation · Prädator
Erbeutung (meist Tötung und Verzehr) durch einen Freßfeind. Ein Beutegreifer ist ein Prädator (H: lat.).
 
Prägung
In der Jugend in einer dafür sensiblen Phase erfolgter schneller Lernvorgang mit stabilem, mitunter irreversiblem Lernergebnis. Beispiele: 1. das bekannte Nachlaufen von z. B. Gänseküken, die auch einen Menschen für ein Elterntier halten können, wenn sie diesen als erstes Lebewesen wahrnehmen. 2. die sexuelle Fixierung junger Tiere auf Artgenossen, die ebenfalls auf den Tierhalter fehlgeleitet werden kann mit der Folge, das sich dieses Tier später nicht mehr für Artgenossen interessiert.
 
Praepupa, Präpupa
'Vorpuppe' bzw. Ruhelarve: Stadium der Diapause (D) bzw. Überwinterung, bevor sich die Larve im Frühjahr bzw. Frühsommer verpuppt und schließlich in die Imago (I) umwandelt.
 
Prokaryoten
winzigkleine Zellorganismen (Bakterien), die am Anfang des Lebens stehen und heute noch die große Mehrzahl der Lebewesen ausmachen: Von den schätzungsweise 400.000 bis 4 Millionen Arten sind erst 4.000 bekannt. (H: altgr.)
 
Protandrie bzw. Proterandrie
'Vormännlichkeit': das Phänomen, daß Bienen-Männchen nach der Diapause vor den Weibchen erscheinen und auf diese zwecks Begattung warten. Adjektiv: proterandrisch; Gegenteil: Proterogynie.
    Ergänzung: Proterandrie bezeichnet auch das Auftreten des männlichen Geschlechts vor dem weiblichen Geschlecht innerhalb eines Individuums; solche Zwitter (Hermaphroditen, H) sind unter den Landlungenschnecken (Stylommatophora) die Regel, aber auch unter Fisch- und Lurcharten zu finden.
    Etymologischer Hinweis: Die Bezeichnung setzt sich zusammen aus dem altgriechischen protos = 'erster, frühester' und andros = 'Mann'; das erste Wort ist aus Prototyp ('erster Typ, erstes Vorbild') bekannt und das zweite aus Androide ('menschenähnliche Maschine') oder Anthropologie ('Menschenkunde').
 
Proterogynie bzw. Protogynie
'Vorweiblichkeit': das seltene Phänomen, daß die Weibchen einiger Bienenarten am Ende der Diapause vor den Männchen erscheinen. Unter den in Europa vorkommenden Bienen sind nur die Wollbienen (Anthidium) und Zottelbienen (Panurgus) als proterogyn bekannt. Gegenteil: Proterandrie.
    Ergänzung: Proterogynie bezeichnet auch das Auftreten des weiblichen Geschlechts vor dem männlichen innerhalb eines Individuums.
 
Protisten
ursprünglichste Gruppe der Eukaryoten (Algen, Geißeltierchen etc.) (H: altgr.)
 
psammophil
'sandliebend': angepaßt an sandige Lebensräume – auch in Gewässern.
 
Q
Quieszenz
'Ruhe': exogen (von außen) gesteuerte Dormanz (D), die etwa durch ungünstige Temperaturen oder allzu kurze Tageslängen unmittelbar ausgelöst und durch den Wegfall der ungünstigen Bedingungen sofort wieder aufgehoben wird. Das Gegenteil, nämlich die auch endogen (von innen, nämlich genetisch und hormonell) gesteuerte Dormanz wird auch als Diapause (D) bezeichnet.
 
R
Reptilien
Kriechtiere, wechselwarme Tiere mit horniger (beschuppter oder beschilderter) Haut, die aus den Amphibien hervorgingen und zur Fortpflanzung nicht mehr auf Wasser angewiesen sind. Aus urtümlichen Reptilien entwickelten sich die Saurier und ersten Säugetiere. (Von lat. reptilis = 'kriechend')
 
Revier bzw. Territorium
Wohngebiet, das (gegen die Anwesenheit von) Artgenossen verteidigt wird, machmal auch gegen artfremde, aber um Nahrung und Nistplätze konkurrierende Tiere.
 
rezent
noch lebend oder erst vor kurzem ausgestorben (Von lat. recens = 'frisch, neu jung')
 
rezeptiv
'empfängnisbereit', von brünstigen Weibchen (Von lat. recipere = 'aufnehmen')
 
Ruderalvegetation
Pflanzen, die auf stickstoffreichen Schuttplätzen wachsen.
 
S
sacrophag, Substantiv: Sacrophagie
′fleischfressend′: nur von Fleisch lebend. Gegenteil: hytophag bzw. Hytophagie (′pflanzenfressend′).
 
Saisondimorphismus
'unterschiedliche Gestalt in einer anderen Saison': das Phänomen, daß ein Organismus innerhalb eines Jahres in einer zweiten (oder auch weiteren) Generation und folglich in einer anderen Jahreszeit in Form und/oder Farbe von der der ersten Generation abweicht. Ein Beispiel für Saisondimorphismus ist das Landkärtchen (Araschnia levana), ein Edelflter, dessen unterschiedliche Erscheinungsformen durch die Tageslänge während der Raupenentwicklung gesteuert werden. Unter den Bienen ist bei der Zweifarbigen Sandbiene (Andrena bicolor) ein geringer Saisondimorphismus feststellbar: Die Weibchen der zweiten bzw. Sommergeneration zeigen eine etwas hellere Mesonotum-Behaarung und Scopa als die erste bzw. Frühlingsgeneration.
 
Selektion
'Auslese', 'Auswahl', 'Zuchtwahl'. Die Selektion führt in der Evolution der Arten dazu, daß sich die am besten an die jeweiligen Umweltbedingungen angepaßten Erbanlagen stärker vermehren als weniger gut angepaßte. (Von lat. selectio = 'Auswahl')
 
semiaquatisch
halb im Wasser lebend, also auch halb an Land; amphibisch.
 
semisozial
'halbgesellig', auf niedrigerem Organisationsniveau in Gruppen lebend. Semisoziale Bienen haben ihre Selbständigkeit zwar abgelegt und praktizieren Arbeitsteilung, die eierlegende Königin und ihre arbeitenden Hilfsweibchen derselben Generation erreichen aber nicht das Organisationsniveau von Hummeln und Honigbienen.
 
Sexualparasitismus
Profitieren von Eigenschaften bzw. Aktivitäten anderer Individuen desselben Geschlechts. Manche Froschmännchen etwa fangen Weibchen ab, die vom Rufen anderer männlicher Artgenossen angelockt werden.
 
Solitär...
'einsam', 'einzeln', nicht sozial, also nicht dauerhaft in Paaren oder Gruppen lebend. Während z. B. die Honigbiene und die Hummeln in "Staaten" organisiert sind, leben die meisten Bienen einzeln ('solo').
 
sozial
′gesellig′, regelmäßig in Gruppen lebend. Dieser Begriff ist in der Ethologie neutral bzw. wertfrei gemeint, nicht wertend politisch. Hummeln und Honigbienen sind soziale Wildbienen, da sie in "Staaten" organisiert sind; aufgrund ihres Organisationsniveaus werden sie auch als eusozial bezeichnet. Die soziale Phase eines Bienenvolkes ist dann erreicht, wenn ein einzelnes Weibchen (die Königin) ihre ersten adulten Arbeiterinnen produziert hat.
 
Spezialist
(Pflanzen- oder) Tierart, deren Vorkommen durch ein enges Nahrungs- und/oder Habitatschema beschränkt ist. Gegenteil: Generalist.
 
Speziation
Artwerdung, Entstehung einer Pflanzen- oder Tierart.
 
Spezies
Pflanzen- oder Tierart, grob definiert: eine Fortpflanzungsgemeinschaft formgleicher Individuen.
 
Sensible Phase
Eine Phase im Jugendstadium eines Tiers, in der dieses sensibel ist für eine Prägung z. B. auf seine Eltern oder das Erscheinungsbild eines künftigen Geschlechtspartners.
 
stenök, Substantiv: Stenökie
′eng, schmal′ bezüglich der ′Umwelt′: hinsichtlich eines Umweltfaktors oder mehrerer solcher Faktoren spezialisiert, gegenüber Umweltschwankungen wenig tolerant, Umwelt-Spezialist. Es gibt verschiedene Beschränkungen bzw. Spezialisierungen mit je eigenem Fachbegriff:
  • stenotherm (bez. der Umgebungstemperatur)
  • stenohalin (bez. des Salzgehaltes)
  • stenohygr (bez. der Bodenfeuchte)
  • stenohyd (bez. des Wassergehalts)
  • stenophag (bez. der Nahrungsressourcen)
  • stenoxygen (bez. des Sauerstoffgehaltes)
Gegenteil: euryök bzw. Euryökie (E).
 
subsozial
′noch nicht sozial′: In der subsozialen Phase der Entwicklung einen Bienenvolkes sorgt ein einziges Weibchen für ihre Brut (Eier, Larven). Erst mit dem Schlupf der Arbeiterinnen beginnt die soziale Phase.
 
Sukzession
'Nachfolge' (auch Thron- oder Rechtsnachfolge); in der Botanik das eine Landschaft prägende Abfolge von Pflanzengesellschaften bzw. Vegetationsphasen: Grasphase – Staudenphase – Strauchphase – Baumphase. In großem Ausmaß fanden solche Entwicklungsreihen nach dem Rückzug der Gletscher am Ende der Eiszeiten statt: Auf eine Pioniervegetation von Flechten und Moosen und kurzlebigen Birken und Kiefern folgten über verschiedene Zwischenstadien schließlich je nach Standort z. B. beständige Buchen-, Eichen oder Mischwälder.
 
Symbiont
Lebewesen, das Nutzen aus einer gegenseitigen Lebensgemeinschaft zieht, etwa eine Blütenpflanzen oder das sie bestäubende Insekt. Ein weiteres Beispiel ist eine Fliegenlarve in einem Hautflüglernest, die sich durch die Beseitigung möglicher Infektionsherde nützlich macht, andererseits selbst daraus Nutzen zieht durch die Gewinnung von Nährstoffen.
 
Symbiose
'Zusammenleben' von Lebewesen verschiedener Arten zum gegenseitigen Nutzen, z. B. zwischen Blütenpflanzen und den sie bestäubenden Insekten, Vögeln oder Fledertieren. (H: altgr.)
 
Sympatrie, Eigenschaftswort: sympatrisch
'Gemeinsames Vaterland': gemeinsames Vorkommen von Arten oder Unterarten im selben geographischen Gebiet, so daß Kreuzungen möglich sind. Sympatrische Artbildung ist folglich unwahrscheinlich und selten, aber möglich durch sexuelle Selektion (die Bevorzugung von Partnern mit bestimmten Merkmalen) oder das Besetzen unterschiedlicher ökologischer Nischen im selben Lebensraum. Gegenteile: Allopatrie (A) und Parapatrie (P).
 
synanthrop, Substantiv: Synanthropie
'zusammen mit dem Menschen': angepaßt an den menschlichen Siedlungsbereich, ohne zur Erhaltung der Population auf Artgenossen von außerhalb angewiesen zu sein.
 
Synökologisches Optimum
der bevorzugte Lebensbereich einer Art unter dem Einfluß eines bestimmten Umweltfaktors (Temperatur, Feuchte, Lichtintensität etc.) und zugleich der Konkurrenz durch andere Arten (Interspezifische Konkurrenz, I). Ohne interspezifische Konkurrenz spricht die Biologie vom autökologischen Optimum (A).
 
T
Taxonomie
Die biologische Systematik, also die wissenschaftliche und hierarchische Klassifizierung der Lebewesen entsprechend ihrer vermuteten Entstehungsgeschichte (Evolution) und Verwandtschaft. Die Begriffe zu diesem Thema werden auf einer Taxonomie-Seite eigenen Seite erklärt.
 
thermophil
′wärmeliebend′: Thermophile Lebewesen sind auf warme Biotope angewiesen.
 
Trinomen
′dreiteiliger Name′: Unterarten benennt man mit einem Trinomen, das aus einem Binomen (B) und einem dritten Wort (Unterart-Epitheton, beginnend mit einem Kleinbuchstaben) besteht.
 
Trophiestufen
Stufen der ′Nährstoffenreicherung′ von Gewässern. Es gibt vier Trophiestufen:
  1. Oligotrophie: geringe Nährstoffanreicherung, daher geringe Produktion von Biomasse
  2. Mesotrophie: Übergangsstadium zwischen Oligotrophie und Eutrophie
  3. Eutrophie: hoher Nährstoff- bzw. Phosphorgehalt, daher hohe organische Produktion
  4. Hypertrophie bzw. Polytrophie: extremer Nährstoffgehalt, der Sauerstoff in den bodennahen Schichten wird im Sommer weitgehend aufgebraucht.

Tumulus
kleiner Erdhügel: Auswurfhalde, die beim Graben eines Nistgangs etwa durch Bienen entsteht.
 
U
Ubiquist
Ubiquitäres Lebewesen: anpassungsfähiges Lebewesen, das nicht an einige wenige Biotope gebunden ist.
 
ubiquitär
überall vorkommend (Von lat. ubique = 'überall')
 
Überlieger
Insekt (etwa eine Bienenart) mit einer Diapause (D), die mehr als einen Winter umfaßt, so daß die Entwicklung vom Ei bis zur Imago (I) zwei oder mehr Jahre dauert. Ein biologischer Nutzen einer verlängerten Diapause ergibt sich etwa für oligolektische (O) Bienenarten, nämlich dann, wenn ihre (exklusiven) Pollenpflanzen in einem Jahr ganz ausfallen oder weniger zahlreich blühen und so den Fortpflanzungserfolg gefährden. Unter den Bienen sind bislang nur wenige fakultative oder obligate "Überlieger" bekannt, in der Gattung Osmia ('Mauerbienen') sind dies Osmia adunca, Osmia grandis, Osmia inermis, Osmia leaiana, Osmia niveata, Osmia parietina.
    Andere Insekten bleiben während ihrer langen Entwicklungszeit in den (oft kurzen) Vegetationsmonaten aktiv. Unter den Schmetterlingen des hohen Nordens gibt es Arten, die bis 14 Tundra-Winter im Raupen-Stadium fressen und winterschlafen, bevor sie sich verpuppen und als Imagines fortpflanzen.
    Hinweis: In der deutschen Krankenhaus-Medizin bezeichnen "Überlieger" Patienten, die zum Jahreswechsel bis ins Folgejahr stationär bzw. teilstationär in Behandlung sind. In der Seemannssprache bedeutet Überliegen je nach Betonung das Schrägliegen eines Schiffs oder überlanges Liegen im Hafen.
 
Überwinterung
das Überstehen periodischer Abkühlungen (der Wintermonate) in kalten und gemäßigten Zonen durch:
  1. klimatisch bedingte Tierwanderung (z. B. bei Insekten, Fledermäusen, Vögeln);
  2. Winterruhe, in der kurze Ruhephasen immer wieder durch Aktivitäten unterbrochen werden (etwa bei Bären, Bibern, Eichhörnchen; das Pendant zur Winterruhe ist die Sommerruhe: Manche Reptilien vergraben sich im Erdboden, um die sommerliche Hitzeperiode mit ihrem Nahrungs- und Wassermangel zu überstehen);
  3. echten Winterschlaf mit starker Einschränkung von Eigenwärme, Stoffwechsel und Reizempfindlichkeit (etwa bei Fledermäusen). Der Winterschlaf ähnelt der Kältestarre wechselwarme Tiere (Reptlilien etc.).
 
univoltin
Univoltine Bienen haben im Jahr nur eine Generation, d. h., ein Weibchen (eine Königin) produziert nur einmal im Jahr fortpflanzungsfähige Weibchen, die entweder im Larven-, im Puppen- oder im Imaginalstadium (d. h. als fertige Insekten) überwintern und erst im nächsten Jahr die nächste Generation hervorbringen. Gegenteil: Bivoltine Arten bringen eine zweite Generation im Jahr hervor.
 
urban
'städtisch': Urbane Lebewesen kommen im menschlichen Siedlungsbereich vor.
 
V
Vestibulum
'Vorhalle, Vorhof, Flur': Leerzelle hinter dem Nestverschluß z. B. einer Mauerbiene. Leerzellen sind dazu geeignet, Predatoren und Parasiten von belegten Brutzellen abzulenken.
 
vivipar
'lebendgebärend'. Gegenteil: ovipar = 'durch Eier gebärend'. (H: französisch, italienisch, lat.)
 
Voltinismus
Häufigkeit der jährlich produzierten Nachfolgegenerationen einer Art. Diese ist:
  • univoltin (alternativ: monovoltin), wenn eine Generation pro Jahr hervorgebracht wird;
  • bivoltin mit zwei Generationen pro Jahr (die erste produziert die zweite);
  • trivoltin mit drei Generationen pro Jahr (die 1. produziert die 2, diese dann die 3.);
  • multivoltin mit zwei oder mehr Generationen pro Jahr (nicht bei allen Autoren);
  • polyvoltin bzw. plurivoltin mit unterbrechungslos aufeinanderfolgenden Generationen, wie dies in Gebieten ohne Jahreszeiten üblich ist;
  • semivoltin mit einer Generation über zwei (oder auch mehr) Jahre (je nach Autor);
  • merovoltin mit einer Generation über drei (oder auch mehr) Jahre (je nach Autor).

B
Wirt
Lebewesen, das einem anderen – etwa einem Brutparasiten (B) – als Nahrungsspender dient.
 
X
xerophil
′trockenheitliebend′: Xerophile Lebewesen sind auf trockene Biotope angewiesen.
 
Y
Z
Zeigerorganismen
Pflanzen und Tiere, die durch ihre Anwesenheit auf bestimmte Umweltfaktoren verweisen, auf die sie für ihr Überleben angewiesen sind. Bestimmte Flechten z. B. weisen auf saubere oder verschmutzte Luft hin, bestimmte Wasserorganismen zeigen eine geringe Schadstoffbelastung an. Die Vermehrung von Brennesseln läßt auf Überdüngung (Eutrophierung) schließen. Weitere Beispiele:

Kriechender HahnenfußRanunculus repenstoniger Boden
Gemeine PechnelkeLynchis viscariaSandboden
HeidelbeereVaccinium myrtillussaurer Boden
HuflattischTussilago farfaraalkalischer Boden
FranzosenkrautGalinsoga spec.humoser Boden

Zoochorie
'tierische Ausbreitung': Ausbreitung von Samen durch Tiere. Unterformen sind die:
  • Chiropterochorie: Ausbreitung durch Fledermäse;
  • Dysochorie: Ausbreitung durch Zufall;
  • Endochorie (E): Ausbreitung durch Verdauung;
  • Epichorie: Ausbreitung durch Anhaftung (Klebhafter, Kletthafter);
  • Myrmekochorie: Ausbreitung durch Ameisen;
  • Ornithochorie: Ausbreitung durch Vögel.

Zönose
′Gemeinschaft, Gesellschaft′: in der Biologie eine Gemeinschaft von Organismen. Bezogen auf einen Lebensraum (Biotop) spricht man meist von Biozönose (B).
 
Zoozönose, ein Typ der Biozönose (B)
'Tiergemeinschaft': die für einen Standort spezifische Kombination von Tierarten mit ähnlichen oder gleichen Ansprüchen an ihren Standort.
H = Herkunft · altgr. = altgriechisch · lat. = lateinisch

Literatur:

  • Berndt, Rudolf & Wolfgang Winkel (1983): Öko-ornithologisches Glossarium = Eco-ornithological glossary: dt.–engl; engl.–dt. Duncker und Humboldt, Berlin.
  • Dettner, Konrad & Werner Peters (1999): Lehrbuch der Entomolgie. G. Fischer, Stuttgart, Jena etc.
  • Immelmann, Klaus (1982): Wörterbuch der Verhaltensforschung. Parey, Berlin, Hamburg.
  • Lundberg, Ulrich (1995): Kurzgefaßter Wortschatz der Allgemeinen Zoologie. G. Fischer, Jena, St.


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