Wisent, Europäischer Bison (Bison bonasus)

Als einziges Wildrind knapp überlebt hat der Wisent (Bison bonasus), der auch als Europäischer Bison bezeichnet wird und mit dem Amerikanischen Bison bzw. Indianerbüffel (Bison bison) eng verwandt und uneingeschränkt kreuzbar ist. Er starb zwar in freier Wildbahn am Ende des 1. Weltkrieges aus, wurde aber nachgezüchtet und kommt seit langem auch wieder freilebend vor, etwa im polnischen Nationalpark Bialowieza und seit 2013 sogar im Rothaargebirge (NRW). Eine Domestikation dieser Art war nicht möglich, es gibt aber "Zuchtlinien":

Wisent
Wisent (Bos bonasus) · 27.02.2016

Tierportrait

Artname: Bison bonasus (Linnaeus, 1758); auch: Bos bonasus
Systematik: Ordnung Paarhufer (Artiodactyla) > Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia) > Familie: Hornträger (Bovidae) > Unterfamilie: Bovinae > Gattung: Bisons (Bison Hamilton-Smith, 1827) > Wisent (Bison bonasus).
Status: Anfang des 20. Jahrhunderts in freier Wildbahn ausgerottet, aber durch Züchtung erhalten und teilweise wiederausgewildert.
Unterarten: a) Nominatform Bison bonasus bonasus > "Flachlandlinie"; b) Kaukasus-Wisent bzw. Bergwisent Bison bonasus caucasicus, auch als eigenständige Art Bison caucasicus beschrieben; ausgestorben, durch Einkreuzung in die "Flachlandlinie" > "Flachland-Kaukasus-Linie"; c) Karpatenwisent Bison bonasus hungarorum, ausgerottet.
Merkmale: Rumpf kurz und schmal, vom Widerrist nach hinten abfallend, Hinterleib schlank, ausgeprägter Geschlechtsdimorphismus durch die Dornfortsätze der Brustwirbel des Bullen, deren Muskeln den typischen "Buckel" verursachen; Schulterhöhe der Bullen bis 188 cm, der Kühe bis 167 cm; Gewicht bei der Geburt: Kuhkälber Ø 24 kg, Stierkälber Ø 28 kg, nach einem Jahr: Ø 175 kg bzw. 190 kg, nach 4 Jahren: Ø 400 kg bzw. 500 kg, Bullen ausgewachsen bis 840 kg; Hörner deutlich kleiner als beim Ur; Kälber rotbraun, erwachsene Tiere fahlbraun bis braun.
Verbreitung: ursprünglich von Nordspanien über Baltikum und Balkan bis zum Nordiran und Balkansee.
Lebensraum: lichte Laub-, Nadel- und Mischwälder.
Nahrung: als Wiederkäuer Rauhfutter: krautige Pflanzen, Gräser, Pilze, Triebe, Sträucher, Rinde.
Lebensweise: Herdentier in kleinen Gruppen, die von einer Leitkuh geführt werden. In der Brunftzeit (08–10) stoßen auch Bullen zur Herde, die sich in ritualisierten Kämpfen Harems sichern. Bullen vermehren sich vom 6. bis 12. Lebensjahr, Kühe auch noch mit 20 Jahren. Eine verstärkte Nahrungsaufnahme im Herbst dient dem Aufbau von Energiereserven für den Winter.

Wisent
Wisent bzw. Europäischer Bison (Bison bonasus) · Neandertal, 07.06.2016

Der Wisent bzw. Europäische Bison ähnelt dem aus Film und Fernsehen bekannten Amerikanischen Bison bzw. Indianerbüffel und ist daher im Zoo leicht mit ihm zu verwechseln. Dank der 1923 gegründeten "Internationalen Gesellschaft zur Erhaltung des Wisents" und durch das 1996 initiierte Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) in Zoologischen Gärten sind die Wildrinder heute in vielen Zoos und Wildtierparks und sogar in freier Wildbahn zu bewundern, in Deutschland seit 2013 im Rothaargebirge, im Kreis Siegen-Wittgenstein. Obwohl es mittlerweile wieder mehrere Tausend reinblütige Wisente gibt, ist ihr Überleben langfristig nicht gesichert, da offenbar der gesamte Bestand von nur zwölf Tieren, sieben Kühen und fünf Bullen, abstammt: Inzuchtdepression kann bekanntlich genetische Fehler und damit eine Schwächung des Immunsystems begünstigen.

Die Erhaltung des Wisents sollte uns auch deshalb ein besonderes Anliegen sein, weil die Geschichte des Menschen eng mit der des Wildrinds verknüpft ist: Bereits 32.000 Jahre alte Höhlenmalereien im Südwesten Europas zeigen den Wisent, und viele Menschen haben in Bildbänden oder im Fernsehen schon die lebensechten Gemälde, Petroglyphen und Skulpturen gesehen, die uns der Cro-Magnon-Mensch z. B. in der Altamira-Höhle in Spanien oder in Frankreich in Höhlen des Départment Dordogne oder in der La-Madeleine-Höhle hinterlassen hat. In freier Wildbahn ist der Wisent ebenso ungefährlich für den Menschen wie das Wildpferd, der Wolf oder der Luchs; wirklich gefährlich sind z. B. Bakterien, die durch den Antibiotika-Mißbrauch resistent werden, und der Autoverkehr ...

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